Evangelien und Predigt

Auf den Weg durch die Osterzeit nach Pfingsten:

Knüpfen wir ein Gebetsnetz und vertiefen wir unsere Gemeinschaft in Christus Jesus!

Pfingsten

pdf: Pfingsten 2020 Evangelium , Predigt, Gebet

Feuer wirfst Du auf die Erde, Herr,
und Du willst, dass es brennt,
dass wir brennen in Deinem Hl. Geist,
uns verwandeln lassen
in Feuer, das die Erde erneuert:
Die Vollendung beginnt
am fünfzigsten Tag voller Glut,
die vom Himmel fällt auf die Erde,
die in Erwartung ist der Neugeburt….
Am achten Schöpfungstag,
bricht Gottes feuriger Atem sich Bahn
entfacht das Werk,
in dem alles entwird
um Ganzheit zu werden,
verlorene Schönheit bricht neu hervor….

(F.D. 5/2020)

Bibelstelle:
Apostelgeschichte 12, 1-11

 Als der Tag des Pfingstfestes gekommen war, waren alle zusammen am selben Ort. Da kam plötzlich vom Himmel her ein Brausen, wie wenn ein heftiger Sturm daher fährt, und erfüllte das ganze Haus, in dem sie saßen. Und es erschienen ihnen Zungen wie von Feuer, die sich verteilten; auf jeden von ihnen ließ sich eine nieder. Und alle wurden vom Heiligen Geist erfüllt und begannen, in anderen Sprachen zu reden, wie es der Geist ihnen eingab. In Jerusalem aber wohnten Juden, fromme Männer aus allen Völkern unter dem Himmel. Als sich das Getöse erhob, strömte die Menge zusammen und war ganz bestürzt; denn jeder hörte sie in seiner Sprache reden. Sie waren fassungslos vor Staunen und sagten: Seht! Sind das nicht alles Galiläer, die hier reden? Wieso kann sie jeder von uns in seiner Muttersprache hören: Parther, Meder und Elamiter, Bewohner von Mesopotamien, Judäa und Kappadokien, von Pontus und der Provinz Asien, von Phrygien und Pamphylien, von Ägypten und dem Gebiet Libyens nach Kyrene hin, auch die Römer, die sich hier aufhalten, Juden und Proselyten, Kreter und Araber – wir hören sie in unseren Sprachen Gottes große Taten verkünden.I

Predigtgedanken von Pfarrer Dr. Andreas Kaiser

Das Pfingstfest markiert im Kirchenjahr so einen Übergang hinein zu einer kirchlichen Normalzeit, einer kirchlichen Normalität. Eigentlich zu unrecht, denn durch das Pfingstereignis in Jerusalem ist keine Normalität bei den Jünger und Jüngerinnen eingetreten, ganz im Gegenteil. „Ich gehe fischen“ – so haben die Apostel noch knapp nach der Auferstehung ihre Resignation zusammengefasst (vgl. Joh 21,3). In anderen Worten ausgedrückt: „Wir gehen zurück zur gelernten Normalität.“

Aber dann kam dieses umwälzende Ereignis von Pfingsten, die Erfahrung der Nähe Gottes durch den Heiligen Geist, die Geburtsstunde der Kirche. Etwas Neues hat in den Jüngern und Jüngerinnen begonnen, wenn man so will hat eine neue Normalität begonnen. Plötzlich waren sie voller Tatendrang um zu erzählen und zu verkünden über die Liebe Gottes zu den Menschen, die in Jesus so menschlich greifbar und erfahrbar wurde. Voller Eifer, voller Feuereifer haben sie begonnen, weil dieses Feuer durch den Heiligen Geist entfacht worden ist.

Zurück zur Normalität – das wünschten wir uns in den vergangenen Wochen. Und langsam beginnt auch wieder diese Normalität, mit vielen Mühen und Entbehrungen wenn wir die hohen Arbeitslosenzahlen sehen. Aber gibt es da nicht auch eine neue Chance um vorwärts anstelle von zurück zu kommen?

Die Bischöfe Österreichs haben ein Hirtenwort herausgegeben, das diese Thematik meines Erachtens gut aufgreift. Für eine „geistvolle erneuerte Normalität“ so haben sie ihr Schreiben übertitelt. Wir haben nun die Chance eines neuen Pfingstens im persönlichen Leben und im Leben der Gesellschaft. Manche Entwicklung unter der wir ohnehin in den letzten Jahren gestöhnt hatten kann nun überdacht werden und im Licht des Heiligen Geistes neu bewertet werden.

Manches haben wir in diesen Tagen auch wieder neu entdeckt: Werte der Solidarität und des Miteinanders, der Dankbarkeit und der geteilten Hoffnung und Zuversicht. Diese Erfahrungen nun in den beginnenden Alltag mitzunehmen und auch umzusetzen ist schon ein Schritt der geistvollen neuen Normalität.

Die Jünger sind nicht im Fischerboot geblieben. Durch den Geist Gottes wurden sie herausgerufen. Wir sind als Kirche gerufen seit 2000 Jahren, ja jeder einzelne von uns ist gerufen Gottes große Taten zu verkünden. Wir sind gerufen seine Liebe und seine Hinneigung zum Menschen zu verkünden. Der Heilige Geist befähigt uns, begleitet uns und stärkt uns in diesem Dienst. Die Welt, die nun beginnt wieder Schritt aufzunehmen, braucht den Schrittmacher des Heiligen Geistes.

Gebet:

Wie Feuer fällst Du auf die Erde,
beflügelst Menschen,
zu reden und zu tun,
was sie sich nie erträumten…
Heiliger Geist, komm!

Schenke uns Erkenntnis und Weisheit
die Weisung Gottes zu verstehen,
Kraft und Mut,
einander beizustehen,
dem Vorbild Jesu zu folgen.

Stärke unseren Glauben
und unaufhörlich bete Du in uns,
so wie es Gott gefällt,
damit wir durch Deinen Beistand,
mit Geduld und Freude
als Christen Zeugnis geben
von der Hoffnung, die uns erfüllt.

Geist des Vaters, Geist des Sohnes,
führe uns in das Geheimnis ein,
in das wir durch Dich hineingenommen sind,
in die Erkenntnis der Wahrheit
Gottes und unseres Daseins,
damit wir leben in der Liebe Gottes
und uns bewegen lassen vom sanften Wind,
mit dem Er durch Dich
die Schöpfung zur Vollendung führt.

Wiedergeboren Im Wasser und im Geist
treibe uns an und sende uns
zu den Menschen.
Lass uns neu aufbrechen
durch Dich und auf Dich hin,
der Du alles zur Vollendung führst.

Komm Heiliger Geist,
öffne uns, bewahre uns,
heilige uns, bleibe bei uns!
Amen. Halleluja.

(F.D. 05/2020)

 


7. Sonntag der Osterzeit

pdf: 7. Ostersonntag 2020 Evangelium, Predigt, Gebet

Evangelium nach Johannes. (Joh 17, 1-11)

In jener Zeit erhob Jesus seine Augen zum Himmel und sagte: Vater, die Stunde ist gekommen. Verherrliche deinen Sohn, damit der Sohn dich verherrlicht! Denn du hast ihm Macht über alle Menschen gegeben, damit er allen, die du ihm gegeben hast, ewiges Leben schenkt. Das aber ist das ewige Leben: dass sie dich, den einzigen wahren Gott, erkennen und den du gesandt hast, Jesus Christus. Ich habe dich auf der Erde verherrlicht und das Werk zu Ende geführt, das du mir aufgetragen hast. Jetzt verherrliche du mich, Vater, bei dir mit der Herrlichkeit, die ich bei dir hatte, bevor die Welt war! Ich habe deinen Namen den Menschen offenbart, die du mir aus der Welt gegeben hast. Sie gehörten dir und du hast sie mir gegeben und sie haben dein Wort bewahrt. Sie haben jetzt erkannt, dass alles, was du mir gegeben hast, von dir ist. Denn die Worte, die du mir gabst, habe ich ihnen gegeben und sie haben sie angenommen. Sie haben wahrhaftig erkannt, dass ich von dir ausgegangen bin, und sie sind zu dem Glauben gekommen, dass du mich gesandt hast. Für sie bitte ich; nicht für die Welt bitte ich, sondern für alle, die du mir gegeben hast; denn sie gehören dir. Alles, was mein ist, ist dein, und was dein ist, ist mein; in ihnen bin ich verherrlicht. Ich bin nicht mehr in der Welt, aber sie sind in der Welt und ich komme zu dir.

 
Predigtgedanken von Pfarrer Dr. Andreas Kaiser

Liebe Brüder und Schwestern, 

„Darum bitten wir durch ihn, Jesus Christus, deinen Sohn unsern Herrn und Gott, der in der Einheit des Heiligen Geistes mit dir lebt und herrscht in alle Ewigkeit“

Kommt Ihnen dieser Satz bekannt vor?

Es ist der „große“ Abschluss des Tagesgebetes, also des ersten Gebets, das der Priester am Beginn der Messe im Namen aller anwesenden spricht.

Es wird eingeleitet mit der Aufruf zum Gebet: Oremus – lasst uns beten: - dass darauf einmal ein genervter Mitfeiernder hinausgerufen haben soll: ja wir lassen dich, mach nur weiter. – ist eine erfundene Geschichte.

Also eingeleitet mit der Aufforderung zum Gebet – sind wir alle eingeladen in einer kurzen – meist zu kurzen – Stille uns zu sammeln und zu Gott still zu beten, bevor der Priester dann mit dem formulierten Gebet unser aller Gebet zusammenfasst. Collecta - heißt dieses Gebet auch um diesen zusammenfassenden Charakter auszudrücken.

Und eben dieses Gebet schließt mit der erwähnten Anrufung: „Darum bitten wir durch ihn, Jesus Christus, deinen Sohn unsern Herrn und Gott, der in der Einheit des Heiligen Geistes mit dir lebt und herrscht in alle Ewigkeit“

Eigentlich ist das eine Zusammenfassung der heutigen Lesungstexte. Denn es geht da viel ums Gebet. Im Evangelium haben wir das Gebet Jesu gehört, das als „Abschiedsgebet des Herrn“ übertitelt wird. Im Betrachten und Meditieren des Evangeliums sieht man förmlich Jesus vor sich, wie er sich ganz zum Vater hin ausrichtet und im Gebet ganz eins wird mit ihm: Er erhob die Augen zum Himmel, den Blick hinein in den Vater gerichtet, nimmt er mit diesem Blick die ganze Welt und alle Menschen mit hinein in dieses Gebet. Alle Elemente des Gebets sind in diesen Sätzen vorhanden. Der Dank, der Lobpreis und die Bitte.

Jesus dankt dem Vater für seine Sendung - Der Evangelist Johannes lässt Jesus dieses Gebet sprechen wenige Augenblicke bevor er gefangengenommen und verurteilt wird. Jesus dankt für seine Sendung, sein Leben als Sendung. Es war und ist seine Sendung den Menschen Gott zu zeigen. Im Evangelium heißt es: „Das ist das ewige Leben, dich den einzig wahren Gott zu erkennen und Jesus Christus, den du gesandt hast.“
Zu erkennen, das heißt zu verinnerlichen, von innen heraus, vom Herzen heraus zu erkennen, zu glauben und zu vertrauen. Er dankt für die Sendung, die von der Menschwerdung an nun über Tod und Kreuz zur Verherrlichung, zur Auferstehung führen wird.

Jesus spricht immer wieder den Lobpreis an, den er in der Verherrlichung des Sohnes im Vater sieht. Verherrlicht, das heißt mit der Herrlichkeit Gottes umgeben, in die Herrlichkeit Gottes hineingetaucht. Die Sendung Jesu ist Verherrlichung und alle, die mit ihm Gehen, werden auch in diese Herrlichkeit mit eingetaucht werden. Das ist Grund zum Jubel und Lobpreis.

Jesus bittet aber auch ganz intensiv für die ihm Anvertrauten, die in der Welt sind. Er bittet für alle Menschen, die sich aufmachen voller Sehnsucht, um Gott zu finden. Diese hast du mir gegeben – so sagt er. Und darum bittet er für sie. Er bittet für uns, die wir in der Welt sind, aber nicht von der Welt sein sollen. Er bittet für uns beim Vater, er betet für uns beim Vater.

So wird jedes Gebet, das wir sprechen, sei es im persönlichen Gebet oder im Gebet in der Gemeinschaft, ein Gebet, das sich mit diesem Bitt-, Dank- und Lobpreisgebet Jesu verbindet und so in Gott hineinfließt - „Darum bitten wir durch ihn, Jesus Christus, deinen Sohn unsern Herrn und Gott, der in der Einheit des Heiligen Geistes mit dir lebt und herrscht in alle Ewigkeit“

Gebet ist das, was die Apostel und Jünger und Jüngerinnen Jesu als erstes nach der Himmelfahrt Jesu tun. Sie beten. Sie gehen nicht gleich hinaus zur Verkündigung, sie beginnen nicht gleich zu missionieren, sondern sie sind zunächst in Einheit zusammen und beten durch Christus zum Vater im Heiligen Geist, den sie auch dann am Pfingstfest empfangen werden. Dann ist Zeit zur Verkündigung. Dann ist Zeit die Türen aufzustoßen und hinauszugehen und den Menschen Gottes Barmherzigkeit zu verkünden.

Es sind zwei Bewegungen, die immer wieder zusammenspielen müssen in einem christlichen Leben und in einem Leben der Gemeinde, der Kirche: Das Gebet und das Zeugnis. Beide sind aufeinander bezogen und bedingen einander.

Jesus geht uns auch im Gebet voran – lassen wir uns von ihm mitnehmen in eine Schule des Gebetes. Und auch wenn wir schon sehr viel Gebetserfahrung haben – manchmal ist eine Auffrischungsschulung gar nicht so schlecht – durch Christus zum Vater im Heiligen Geist. AMEN

Gebet für 7. Ostersonntag 2020

Geht, es ist die Zeit!
Bringt alle zu mir,
macht alle zu meinen Jüngern,
jetzt ist die Zeit,
legt die Müdigkeit ab,
lasst los eure Vorbehalte,
schüttelt ab den alten Staub
von den Füßen, damit sie gehen können,
lebendig in Bewegung bringen,
was müde ist und ohne Hoffnung!

Ich bewahre euch,
gehe mit euch, bin euch voraus
und hinter euch
meine Herrlichkeit ist mit euch,
damit die Menschen sie sehen,
aufstehen in das neue Morgenrot,
das kommt!

Es kommt und ist schon da,
denn ich suche euch alle,
um zu retten, zu heilen,
zu bewahren für das Leben ohne Ende.
Alle sollen meine Herrlichkeit sehen!

Also lass dich bewegen,
rufe nach meinem Heiligen Geist,
der antreibt und vollendet,
dir die Fülle eröffnet,
an der ICH dir Anteil geben will.

So komm,
ich stehe an deiner Tür
und bitte dich:
Lass dich rufen,
komm zu mir
alles ist bereit,
für das Fest der Liebe.

Ich lade dich ein:
Komm zu meinem Thron
und empfange Gnade um Gnade!
Alles ist bereitet,
alles teile ich mit dir:
Komm!

Ich bin der Herr,
dein Schöpfer und dein Erlöser,
und ich komme dir entgegen,
um Dich an mich zu ziehen,
Dich hineinzuwerfen
in das Wasser des Lebens.
Es ist deine Entscheidung!
Willst du dich einlassen?
Wirst du dich rufen lassen?

Ich will, Herr,
hilf mir zu Dir hin!
Sende Deinen Hl. Geist, Herr,
damit Er mir hilft,
mich bewegen zu lassen
zu Dir hin!

 F.D. 5/2020


Christi Himmelfahrt

pdf: Christi Himmelfahrt 2020 Evangelium, Predigt, Gebet

 Aus dem heiligen Evangelium nach Matthäus; (Mt 28, 16-20)

 In jener Zeit gingen die elf Jünger nach Galiläa auf den Berg, den Jesus ihnen genannt hatte. Und als sie Jesus sahen, fielen sie vor ihm nieder, einige aber hatten Zweifel. Da trat Jesus auf sie zu und sagte zu ihnen: Mir ist alle Vollmacht gegeben im Himmel und auf der Erde. Darum geht und macht alle Völker zu meinen Jüngern; tauft sie auf den Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes und lehrt sie, alles zu befolgen, was ich euch geboten habe. Und siehe, ich bin mit euch alle Tage bis zum Ende der Welt.

Predigtgedanken Pfarrer Dr. A. Kaiser

Liebe Brüder und Schwestern, 

Heute am Fest Christi Himmelfahrt schenken uns die Lesungen aus der Bibel eine Fülle von Verheißungen und auch Aufträgen. Die Apostelgeschichte, aus der die erste Lesung genommen ist, ist neben dem Evangelium das zweite Werk des Evangelisten Lukas. In seinen Schriften kommen immer wieder Engel, Männer in weißen Gewändern, vor, welche bei den bedeutenden Ereignissen Gottes Wirken erklärend erläutern und meist auch einen Auftrag aussprechen.

Es beginnt schon bei der Geburt Jesu als den Hirten Engel erschienen, die große Freude verkündeten und ihnen den Auftrag gaben nach Bethlehem zu gehen. Im leeren Grab waren zwei Männer mit leuchtenden Gewändern, welche den Frauen die Botschaft der Auferstehung verkündeten und ihnen einen Auftrag zur Verkündigung der Auferstehung mitteilten. Und auch jetzt am Ölberg bei der Himmelfahrt Jesus - waren es zwei Engel, zwei Männer in leuchtenden Gewändern, die den Aposteln die Deutung geben, nicht nach Oben in die Ferne zu sehen, sondern sich aufzumachen und nach Jerusalem, in die Welt, zurückzukehren. Diese Wesen versuchen die Stimme Gottes in den Menschen hörbar zu machen. Sie sind ein Stück Verbindung in den Himmel hinein, oder besser ein Stück Verbindung aus dem Himmel heraus. Als Außendienstmitarbeiter würden sie heute bezeichnet werden.

Sie führen durch ihr deutendes Wort den Hörer auf den Weg in den Himmel hinein, auf den Weg in Gott hinein, den Weg in die Herrlichkeit Gottes hinein. Den Weg, den Jesus gegangen ist, und den wir am heutigen Festtag feiern. Denn sein Aufgenommen sein in den Himmel bedeutet ja ein Eingehen in die Herrlichkeit Gottes. Dies symbolisiert die Wolke, die Jesus aufnimmt Dieses Symbol versucht, sooft es in der Bibel vorkommt, die Herrlichkeit Gottes auszudrücken. Über den Wolken muss die Freiheit wohl Grenzen los sein – ja, das stimmt nicht nur für das bekannte Lied von Reinhard May, sondern auch in der Deutung der Wolke. Die Herrlichkeit Gottes ist auch grenzenlose Freiheit. Diese Herrlichkeit Gottes ist jedoch nicht nur etwas, was weit weg und unerreichbar ist, sondern sie spiegelt immer wieder auch in unser Leben und in unsere Welt herein. Dort wo wir Gott erfahren, wo die Verheißung Jesu „Ich bin immer bei euch, alle Tage bis zum Ende der Welt“, entdeckt wird.

Die Himmelfahrt Jesu ist nicht ein Fortgehen des Herrn an einen unbekannten und unerreichbaren Ort, sondern bringt uns Christus näher durch die Herrlichkeit Gottes. Sie neigt sich durch Christus in diese konkrete Welt hinein. Das zeigen die Engel an, als sie bei den Hirten das große Loblied singen – Gott ist da in dieser Welt, er beugt sich in Christus herab. Das Zeigen die Engel im leeren Grab an – Gott ist da in dieser Welt – er hat in der Auferstehung Jesu den Tod besiegt. Das zeigen die Engel am Ölberg bei der Himmelfahrt Jesu an –Gott ist da in dieser Welt, erfahrbar durch den Heiligen Geist und erkannt im lebenden Christus.

Die Engel zeigen an, wo sich Himmel und Erde berühren, wo sich Herrlichkeit Gottes und Erde berühren.

In unserer Kirche haben wir 94 Engeldarstellungen – schöne barocke Engerl. Ein Hinweis des Künstlers, dass sich in der Feier der Kirche, im Gebet und in der Hl. Messe Himmel und Erde berühren, dass hier ein Stück Herrlichkeit Gottes erfahrbar wird.

Wenn wir uns aber in der Kirche umsehen, dann entdecken wir nicht nur Engeldarstellungen, sondern auch eine Darstellung am Kanzelkorb. Dort ist Jesu zu sehen, wie er seinen Jüngern jenen Auftrag gibt, der im Evangelium zu hören war: Macht euch auf, geht zu allen Menschen verkündet und erzählt allen Völkern und tauft sie. In anderen Worten: Helft den Menschen, dass sie die Beziehung erkennen, die ich aus Liebe mit jedem einzelnen leben möchte.

Wir dürfen nicht stehenbleiben in dem Himmel voller Verzückung und die Hälse nach oben strecken wie die Jünger am Ölberg, sondern bestärkt durch die Erfahrung, dass Gott in seiner Herrlichkeit unser Leben und die Welt auch durch alle Herausforderungen begleitet, dürfen wir verkünden, dürfen wir erzählen: Jesus lebt in der Herrlichkeit Gottes und ist in diesem Leben, in jedem Leben erfahrbar. Er bereitet einen Weg, dass auch wir einmal ganz in dieser Herrlichkeit leben können und dann eventuell auch singen – neben den vorgeschrieben göttlichen Hallelujasongs – über den Wolken ist die Freiheit grenzenlos. AMEN.

Gebet zu Christi Himmelfahrt 2020

Herr Jesus Christus,
Du bist hier bei uns,
jetzt und immer.

Wir aber schauen
hinauf in den Himmel
und fassen es nicht,
dass Du Da bist,
wirklich erfahrbar,
leicht zu übersehen.

Du zwingst Dich nicht auf,
doch Du bist Emmanuel,
Gott mit uns und für uns,
der sich erfahren lässt,
wenn unsere Sehnsucht wächst
Dir zu begegnen,
Dich zu lieben,
in Anbetung mit Hingabe
mit Lobpreis und Dank.

Du kommst in unser Herz,
wenn wir uns öffnen für Dein Wort,
darüber nachsinnen,

es Wurzeln schlagen lassen,
in ihm Dich aufnehmen.

Du führst uns neue Wege,
wenn wir das Leben vor Dich bringen,
Dir alle Not der Menschen klagen,
um Deine Hilfe zu erbitten.

Du bist in unserer Mitte,
wenn wir uns versammeln
als Deine Gemeinde,
beten und feiern,
einander annehmen
und Dir begegnen
in Deinen Priestern,
die uns segnen
in Deinem Namen.

Du bist mit uns,
immer und überall,
nicht theoretisch,
sondern wahrhaftig.

Wenn wir Dir glauben
und darauf bauen,
dass Du uns nie verlässt,
erfahren wir Deine Gegenwart,
die uns stärkt,
die uns fordert,
die uns zueinander führt
und zu Dir,
der Du lebst
und für uns da bist
mit dem Vater
und dem Heiligen Geist,
jetzt und immer.
Amen, ja, amen!

F.D. 5/2020


6. Sonntag der Osterzeit

 

pdf: 5. Sonntag der Osterzeit 2020, Evangelium, Predigt und Gebet

Evangelium:  Joh 14, 15-21

In jener Zeit sprach Jesus zu seinen Jüngern: Wenn ihr mich liebt, werdet ihr meine Gebote halten. Und ich werde den Vater bitten und er wird euch einen anderen Beistand geben, der für immer bei euch bleiben soll, den Geist der Wahrheit, den die Welt nicht empfangen kann, weil sie ihn nicht sieht und nicht kennt. Ihr aber kennt ihn, weil er bei euch bleibt und in euch sein wird. Ich werde euch nicht als Waisen zurücklassen, ich komme zu euch. Nur noch kurze Zeit und die Welt sieht mich nicht mehr; ihr aber seht mich, weil ich lebe und auch ihr leben werdet. An jenem Tag werdet ihr erkennen: Ich bin in meinem Vater, ihr seid in mir und ich bin in euch. Wer meine Gebote hat und sie hält, der ist es, der mich liebt; wer mich aber liebt, wird von meinem Vater geliebt werden und auch ich werde ihn lieben und mich ihm offenbaren.

Predigtgedanken von Pfr. Dr. Andreas Kaiser

Liebe Schwestern und Brüder,

Wir dürfen immer noch Ostern feiern – 50 Tage sollen wie ein Tag gefeiert werden, das klingt schön, ist aber schwer möglich, in 50 Tagen geschieht Vieles.

Wir sind heute zum ersten Mal wieder in einer kleineren Gemeinschaft zusammen um Hl. Messe zu feiern. Es ist auch ein kleinwenig Auferstehung aus einem schwierigen Zustand heraus. Noch haben wir Auflagen und Einschränkungen, aber es ist schon ein Stück auf den Weg hin zur Feier der Einheit die sich um Christus bildet. Diese Einheit hat sich auch in den letzten Wochen aufgebaut. Anders als wir es gewohnt waren, aber dort wo das Denken und Tun auf Christus ausgerichtet ist, wo er das Haupt ist, dort baut sich Gemeinschaft auf, auch wenn sie örtlich getrennt ist.

Der kurze Abschnitt des Evangeliums den wir gehört haben ist aus den sogenannten Abschiedsreden Jesu an seine Jünger zusammengefasst. Wir hören es wenige Tage vor dem Fest Christi Himmelfahrt. Fast könnte man Jesus sehen, wie er winkend und letzte Worte sprechend in den Himmel auffährt. Ein Abschied. Meist ist ein Abschied mit Wehmut verbunden. Es befällt einem ein wenig Trauer, wenn liebe Gäste gehen; die Trauer ist nicht so groß wenn es weniger liebe Gäste sind. Aber meist ist ein Abschied etwas Trauriges und tröstliche Worte wie: Ich komme bald wieder, können helfen den Abschiedsschmerz zu lindern. Aber stimmen sie auch?

Die Abschiedsworte Jesu sind keine Vertröstung, damit die Jünger nicht in haltloses Schluchzen ausbrechen. Die Worte sind mehr, sie sind Verheißungen. Die Welt sieht mich nicht mehr. Schauen wir umher, schauen wir in die Welt, dann sehen wir diesen Satz durchaus bestätigt. Wo sieht die Welt Christus? Er ist physisch nicht begreifbar. Die Welt sieht mich nicht. Und in den letzten acht Wochen war auch die ein oder andere Situation wo schon die Frage aufgekommen ist – Wo bist du Herr? Die Welt sieht dich nicht.

Und dann war da, neben so manchen anderen Erfahrungen diese eigenartig berührende Feier in Rom auf dem Petersplatz. Menschenleer, strömender Regen und der Papst fast allein im Gebet, verbunden mit Hundertausenden auf der ganzen Welt.

Die Welt sieht mich nicht – aber ihr seht mich – weil ich lebe und auch ihr lebt. Ihr seid in mir und ich bin in euch.

Für Viele war es zu diesem Moment ganz begreifbar. Ja, Jesus lebt. Das, was wir zu Ostern feiern, was die Osterkerze symbolisiert, ist eine Wirklichkeit. Er lebt und wir können ihn sehen und erkennen. Mitten durch das Dunkel des Fragens und Suchens und der Ohnmacht hindurch ist er das Licht.

Welche großartige Zusage, welche großartige Verheißung. Ihr seht mich, weil ich in euch bin und ihr in mir. Es gibt wohl keine größere Beziehung, keine größere Verbindung. Der auferstandene Christus lebt auch in mir. Nur durch diese Zusage kann der Apostel Paulus zu den Worten kommen, nicht mehr ich lebe, sondern Christus lebt in mir. (Gal 2,20). Wir können und dürfen ihn sehen und erkennen als den, der uns Hoffnung, Zuversicht und Kraft gibt. Wir können ihn erkennen als den, der uns in diesem Leben und darüber hinaus nie verlassen wird, als den, der uns bedingungslos liebt.

Um dies erkennen zu können, haben wir eine Hilfe, einen Beistand erhalten: den Hl. Geist. In der Lesung haben die Apostel den Neugetauften die Hände aufgelegt und sie wurden mit den Hl. Geist erfüllt. Ein Ritus der bis in unsere Zeit beibehalten wurde im Sakrament der Firmung – wir werden es wenn auch zeitversetzt feiern. Der Bischof legt die Hände auf. Der Gefirmte darf durch den Hl. Geist erkennen, Christus lebt in mir und ich in ihm. Er liebt mich durch und durch und ist meine Stärke, mein Licht und meine Hoffnung hier im Leben und darüber hinaus.
AMEN


Gebet zum 6. Ostersonntag 2020

 „Liebe, und dann tu, was du willst.“
(hl. Augustinus, +430)

Gott lieben?
Was für ein Anspruch!
Ihn lieben bedeutet
Seine Gebote zu halten.
Was so einfach klingt,
ist uns oft unendlich fern.
Die Liebe, die Gott ist,
wird nicht geliebt,
weil sie sich nicht aufdrängt,
nur einlädt…

Um Gott zu erkennen
genügt es zuerst zu fragen:
Was würde Jesus tun?
Wenn ich mein Leben danach ausrichte,
dann gehöre ich zu denen,
denen Jesus zusagt:
Wer mich liebt,
dem werde ich mich zeigen
als der Lebendige,
der im Vater ist
und in euch.

Diese Liebe ist kein Angebot
für einige Auserkorene,
sondern für dich und mich,
ein Geschenk,
das jedem offensteht,
der beginnt aus dieser Gegenwart
des Herrn in uns
zu leben, zu denken, zu sein…

Wenn ich Jesus Liebe erweise,
indem ich mich ausrichte nach Ihm
und Seine Liebe mich treibt
Gott und die Menschen zu lieben,
indem ich höre und handle
aus dem Geist Gottes,
der mir hilft zu verstehen
und Liebe nicht nur zu reden
sondern zu tun,
dann bleibe ich in Gott
und Gott in mir.

Gibt es ein besseres Angebot???

„Mensch, was du liebst, in das wirst du verwandelt werden.

Gott wirst du, liebst du Gott, und Erde, liebst du Erden.“
(Angelus Silesius, + 1677)

F.D. 5/2020

 


5. Sonntag der Osterzeit

pdf: 5. Sonntag der Osterzeit 2020, Evangelium, Predigt und Gebet

Bibelstellen: https://www.erzabtei-beuron.de/schott/schott_anz/index.html?datum=2020-05-10


Evangelium:
Joh 14, 1-12

In jener Zeit sprach Jesus zu seinen Jüngern: Euer Herz lasse sich nicht verwirren.
Glaubt an Gott und glaubt an mich! Im Haus meines Vaters gibt es viele Wohnungen. Wenn es nicht so wäre, hätte ich euch dann gesagt: Ich gehe, um einen Platz für euch vorzubereiten? Wenn ich gegangen bin und einen Platz für euch vorbereitet habe, komme ich wieder und werde euch zu mir holen, damit auch ihr dort seid, wo ich bin. Und wohin ich gehe – den Weg dorthin kennt ihr. Thomas sagte zu ihm: Herr, wir wissen nicht, wohin du gehst. Wie können wir dann den Weg kennen? Jesus sagte zu ihm: Ich bin der Weg und die Wahrheit und das Leben; niemand kommt zum Vater außer durch mich. Wenn ihr mich erkannt habt, werdet ihr auch meinen Vater erkennen. Schon jetzt kennt ihr ihn und habt ihn gesehen. Philippus sagte zu ihm: Herr, zeig uns den Vater; das genügt uns. Jesus sagte zu ihm: Schon so lange bin ich bei euch und du hast mich nicht erkannt, Philippus? Wer mich gesehen hat, hat den Vater gesehen. Wie kannst du sagen: Zeig uns den Vater? Glaubst du nicht, dass ich im Vater bin und dass der Vater in mir ist? Die Worte, die ich zu euch sage, habe ich nicht aus mir selbst. Der Vater, der in mir bleibt, vollbringt seine Werke. Glaubt mir doch, dass ich im Vater bin und dass der Vater in mir ist; wenn nicht, dann glaubt aufgrund eben dieser Worte. Amen, amen, ich sage euch: Wer an mich glaubt, wird die Werke, die ich vollbringe, auch vollbringen und er wird noch größere als diese vollbringen, denn ich gehe zum Vater.

Predigtgedanken von Kaplan Mag. Richard Hansl

Liebe Schwestern und Brüder,

Es sind große Verheißungen, die uns in den heutigen Schriftstellen geschenkt werden.

Im Petrusbrief sehen wir eine der Schablonen des Handelns Gottes, die uns große Ermutigung sein kann. Es ist eine Botschaft, die uns den Druck nimmt, alles richten zu müssen, alles können zu müssen. Es ist die Zusage, dass Gott uns in unserem Scheitern und unseren Limitationen nicht nur annimmt, sondern wahrhaft Großes mit uns vorhat. Er ist kein Gott, der die gesellschaftlichen Hierarchien berücksichtigt, Standesdünkel fördert, er hält seine Hand über jene, die ihm ihr Herz bereiten. Er ist jener Gott, der uns zu seinem Volk ruft, einem Volk mit großer Würde, einem auserwählten, priesterlichen, königlichen Volk. Diese wortgewaltigen Attribute begegnen uns bereits in der Taufe, in der wir uns an Christus gebunden haben und diese Neuschöpfung in ihm, etwa durch die Salbung mit dem Chrisamöl, zeichenhaft ausgedrückt wird.

Wir müssen uns vor Gott nicht aufplustern, nicht inszenieren, schon gar nicht verstellen. Das wäre völlig absurd. Wir müssen erkennen, dass er uns als seine Kinder beschenken möchte, dass er seine liebenden Augen auf uns ruhen lässt, dass er will, dass alles gut wird. Er, der Scheitern, Gewalt und Tod zu Sieg und Auferstehung macht, er der das versklavte, geknechtete Volk Israel zu einem tanzenden und jubelnden macht, er der transformiert, öffnet und liebt. Er, der wie es in der Lesung heißt: „euch aus der Finsternis in sein wunderbares Licht gerufen hat“.

Das Johannesevangelium verstärkt diese Verheißung zusätzlich und passt wunderbar zum heutigen Muttertag. Jesus verspricht uns, auch wenn Thomas es noch nicht ganz fassen kann, ewiges Leben, wie er sie nennt, die himmlischen Wohnungen. Wohnungen, die natürlich kein celestialer Plattenbau sind, sondern Heimat symbolisieren. Sie sind ein Versprechen der bedingungslosen Annahme, des Heimkommens, des Auffangens in die waltenden, liebenden Hände eines personalen Schöpfers.

Heimat ist dieser Ort, wo das Herz zur Ruhe kommt, dies ist der Ort der Sehnsucht, der viel besungen wird, wie etwa in der oberösterreichischen Landeshymne. Dieser Ort, den wir auf Erden in der liebenden Zuwendung der eigenen Mütter und Großmütter gespiegelt sehen können, für die wir an diesem Tag sehr dankbar sein dürfen. Es ist genau dieser Zustand, den Christus uns verspricht, wo die Mühsal und die Plagen des Menschseins von uns genommen werden, Tränen getrocknet und uns ein Strahlen geschenkt wird. Wie nach einem harten Tag, an dem man endlich Zuhause ankommt und alles abfällt, wir unsere Vollendung und Ruhe in voller Ausprägung in Gott finden dürfen.

Der Fahrplan in diese Heimat ist klar aus dem Johannesevangelium ersichtlich. Christus zeigt sich uns als der Weg, die Wahrheit und das Leben, uns durch sich zum Vater führt. Erkennen wir, dass wir etwas Besonderes sind, dass wir geliebt sind und diesen Ruf und Anruf nur beantworten müssen. In einem Glauben, der sich in Wort und in der heute so notwendigen Tat ausdrückt. Amen

Gebet zum 5. Ostersonntag 2020

Es ist doch sehr vernünftig
darauf zu achten,
welchen Weg man einschlägt.
Da sind Wegweiser
mitten im Gebirge hilfreich.
Aber den gefundenen Weg
gehen muss ich dann selbst
und das bringt einige Unsicherheit:
Ist es wirklich der richtige Weg,
werde ich es schaffen
noch vor Einbruch der Dunkelheit;
werde ich dort ankommen,
wohin ich gehen will,
oder ist der Weg nicht schon
Ziel genug für mich…

Der Weg, von dem Jesus sagt: ICH BIN,
ist das und noch viel mehr:
Im Gehen auf Ihm gehe ich mit Ihm,
wird mein Weg Sein Weg
und Sein Weg mein Weg,
denn Er ist die Wirklichkeit,
der tragende Grund,
der mir lebendig erfahrene Wahrheit wird, 
zum Weg der mich trägt und leitet,
der meine Freiheit nicht einschränkt
sondern entgrenzt…

ICH BIN der Weg, die Wahrheit und das Leben,
will mir sagen:
Ich kann mich darauf verlassen,
dass Jesus mit mir geht,
dass Er der Weg ist, der mich führt
zur Wirklichkeit Gottes
und meiner eigenen,
damit ich ankommen kann
im Leben, das keiner entreißt,
das Ewigkeit heißt.

Jesus, Du bist der Weg,
wir hören Dein Wort und kennen den Weg,
und doch: oft scheint Er zugewachsen
von Zweifel, Angst und Misstrauen:
Herr, im scheinbar wegelosen Land,
hilf uns, Dir als sicherem Weg
zu trauen und uns einzulassen
auf Dich und Deine Wahrheit,
auf Dein Mitgehen hinein
in die Wirklichkeit des Lebens,
das Erfüllung findet in Dir,
sich getragen weiß vom Weg,
der immer neu ruft: Folge Mir!

F.D. 5/2020


4. Sonntag der Osterzeit, Guter-Hirte-Sonntag

pdf: 4. Sonntag der Osterzeit 2020, Evangelium, Predigt und Gebet

Evangelium:  Joh 10, 1-11                                                                                                                

In jener Zeit sprach Jesus: Amen, amen, ich sage euch: Wer in den Schafstall nicht durch die Tür hineingeht, sondern anderswo einsteigt, der ist ein Dieb und ein Räuber. Wer aber durch die Tür hineingeht, ist der Hirt der Schafe. Ihm öffnet der Türhüter und die Schafe hören auf seine Stimme; er ruft die Schafe, die ihm gehören, einzeln beim Namen und führt sie hinaus. Wenn er alle seine Schafe hinausgetrieben hat, geht er ihnen voraus und die Schafe folgen ihm; denn sie kennen seine Stimme. Einem Fremden aber werden sie nicht folgen, sondern sie werden vor ihm fliehen, weil sie die Stimme der Fremden nicht kennen. Dieses Gleichnis erzählte ihnen Jesus; aber sie verstanden nicht den Sinn dessen, was er ihnen gesagt hatte. Weiter sagte Jesus zu ihnen: Amen, amen, ich sage euch: Ich bin die Tür zu den Schafen. Alle, die vor mir kamen, sind Diebe und Räuber; aber die Schafe haben nicht auf sie gehört. Ich bin die Tür; wer durch mich hineingeht, wird gerettet werden; er wird ein- und ausgehen und Weide finden. Der Dieb kommt nur, um zu stehlen, zu schlachten und zu vernichten; ich bin gekommen, damit sie das Leben haben und es in Fülle haben.


Predigtgedanken von Dr. Andreas Kaiser

Liebe Schwestern und Brüder –

Der 4. Sonntag in der Osterzeit, wird als der „Gute-Hirte-Sonntag“ bezeichnet. Die Schriftstellen erklären relativ schnell warum. Als Antwortpsalm wird der bekannte Psalm 23 gesungen mit den Eröffnungsworten: Der Herr ist mein Hirte. Und im Evangelium werden von Jesus in seiner Rede Bildworte verwendet, die mit Hirten und Schafen in Verbindung stehen und in der damaligen Lebenswelt Jesu, als die Hirten landauf und landabzogen, schnell begreifbar waren.

Wir tun uns heute ein wenig schwerer in diese Bildsprache hineinzufinden. Im Tagesgebet, das wir am Beginn gebetet haben werden diesen Bildern des Hirten und der Herde klare Deutungen gegeben: Dein Sohn ist der Kirche siegreich vorausgegangen als der gute Hirt. Geleite auch die Herde zur ewigen Freude.

Es ist schon alles richtig und aus dem Evangelium ist da jedes Wort ableitbar aber so ganz einfach finde ich nicht in diese Sprachwelt hinein wenn von Schafen und der hinter dem Hirten nachlaufenden Herde die Rede ist. In unserer Sprachwelt verbinden wir meist wenig Positives mit dieser nachlaufenden Schafherde. Begriffe wie Dumpfheit. eingesperrt sein, wenig Freiheit wenig Kreativität und Selbstbestimmung können da so im Gedanken aufkommen.

Und doch ist es ein Evangelium in der Osterzeit, das bewusst gesetzt ist, um die Neugetauften und jene die in der Osternacht ihr Taufversprechen erneuert haben zu einem geglückten Leben mit Christus aus dem Heiligen Geist hinzuführen.

Wenn ich die Schrifttexte von dieser Seite betrachte, dann fallen mir sofort zwei Wörter auf, die mich weitaus mehr anspringen als die Schafe und die Herde. Es ist am Ende des heutigen Abschnittes geschrieben, wenn vom Leben die Rede ist, von einem Leben in Fülle.

Ja das klingt doch wieder anziehender. Wer will nicht ein Leben in Fülle haben. Gerade jetzt in diesen Wochen, wo wir vieles vermissen mussten, was für uns zu einem Leben in Fülle dazugehört hat war es schon erfahrbar, wie groß die Sehnsucht nach einem Leben in Fülle ist. Vielleicht haben diese Tage auch geholfen ein wenig zu erkennen, worin denn diese Sehnsucht nach Fülle besteht. Erfahrungen, die wir für selbstverständlich erachtet haben, waren es von heute auf morgen nicht mehr. Das Treffen mit Familie und Freunden, das ungezwungenen Reisen und sein können wohin es gerade beliebt, Und hier in der Nachbarschaft zum 14. Bezirk war es auch deutlich Spürbar, dass für gar nicht so wenige es eine große Einschränkung war, plötzlich nicht mehr dem in St. Hannapi gefeierten quasireligiösen Kult um das grünweiße runde Leder ausleben zu können.  

Ein Leben in Fülle möchte keine Sehnsüchte offen lassen. bietet all dies aber noch viel mehr. Es ist ein Leben, das über das Maß hinausgeht –wie es im griechischen wörtlich übersetzt heißt. Über alle Maßen. Ein maßloses Leben. Es steht so in der Bibel – wir Christen sind zu einem maßlosen Leben eingeladen, zu einem Leben in Fülle. Dieses Bild spricht mich schon eher an. Was braucht es aber für Voraussetzungen um diese Fülle zu Erlangen? Hier kommt das von Jesus angesprochene Bild des Hirten wieder herein. Voraussetzung für dieses gute maßlose Leben ist das Hören – zu hören auf die Stimme des einen, der es gut meint. Dem es wirklich um mich geht, der aus Liebe heraus, aus Liebe zu mir heraus einen Weg gegangen ist, der in diese Fülle, in Gott, hineinführt. Und diese Begleitung hinein ist der gut Hirt - der eine gute Hirt: Christus selbst.

Einer der nicht mit Peitsche und Drohungen diesen Weg mit mir gehen will, sondern allein seine Stimme, sein Rufen, sein werben um mich, leitet zu einem Leben in Fülle.

Ein Leben, das eine Hoffnung hat, die eine große Hoffnung, dass nichts, und sei es auf dieser Welt noch so aussichtslos und scheinbar verloren, bei Gott, der das Leben in Fülle ist, verloren ist. Alles wird in ihm vollendet und erfüllt und alles wird in ihm zur Vollendung und zum blühenden Leben kommen. Eine Fülle und Vollendung die schon begonnen hat und die wir in Spuren auch schon immer wieder entdecken dürfen.

Dass ist die österliche Hoffnung die uns der gute Hirte, zu der uns Christus mit werbender und vertrauensvoller Stimme ruft. Die Hoffnung die ein Ruheplatz für unsere Seele schon jetzt sein will.  

Gebet:

Der Gute Hirte

Die größere Freiheit
ist es Deiner Stimme zu folgen.
Du rufst mich heraus
aus meiner Enge
in die Weite Deiner Gegenwart.
Überall bist Du da
und leitest mich auf dem Weg,
der zu Dir führt.
Kein Gestrüpp,
kein Fehltritt,
keine verlorenen Kilometer,
sondern immer weiter
mit der Sicherheit,
dass Deine Stimme ruft,
selbst wenn ich sie nicht hören kann.
Du sprichst in mir,
mein Ich lässt sich leiten
ohne zu wissen,
ohne zu zögern,
denn überall ist Weide,
ist Sicherheit,
weil Du mit mir bist,
jeden Tag und jede Nacht.
In Dir bin ich geborgen
und nie verlassen und allein.
Das ist das Leben,
das Du, Herr,
Deinen Freunden anbietest:

Komm, und folge Mir!
Nichts wird Dir fehlen,
weil ich Dir alles sein will.
Auch wenn du dich ängstigst:
Ich bin bei dir,
niemand kann Dich meiner schützenden Hand entreißen.
Glaube nur und lass mich Dein Hirte sein,
für jetzt und für immer.
Du musst den Weg nicht sehen,
du musst dich nur Mir anvertrauen
und dich führen lassen,
Dann findest du mich immer
als deinen Ruheplatz am Wasser …

F.D. 4/2020


3. Sonntag der Osterzeit

 

pdf. 3. Sonntag der Osterzeit 2020. Evangelium, Predigt und Gebet.pdf

Bibelstelle:

In jener Zeit offenbarte sich Jesus den Jüngern noch einmal, am See von Tibérias, und er offenbarte sich in folgender Weise. Simon Petrus, Thomas, genannt Dídymus, Natánaël aus Kana in Galiläa, die Söhne des Zebedäus und zwei andere von seinen Jüngern waren zusammen. Simon Petrus sagte zu ihnen: Ich gehe fischen. Sie sagten zu ihm: Wir kommen auch mit. Sie gingen hinaus und stiegen in das Boot. Aber in dieser Nacht fingen sie nichts. Als es schon Morgen wurde, stand Jesus am Ufer. Doch die Jünger wussten nicht, dass es Jesus war. Jesus sagte zu ihnen: Meine Kinder, habt ihr keinen Fisch zu essen? Sie antworteten ihm: Nein. Er aber sagte zu ihnen: Werft das Netz auf der rechten Seite des Bootes aus und ihr werdet etwas finden. Sie warfen das Netz aus und konnten es nicht wieder einholen, so voller Fische war es. Da sagte der Jünger, den Jesus liebte, zu Petrus: Es ist der Herr! Als Simon Petrus hörte, dass es der Herr sei, gürtete er sich das Obergewand um, weil er nackt war, und sprang in den See. Dann kamen die anderen Jünger mit dem Boot – sie waren nämlich nicht weit vom Land entfernt, nur etwa zweihundert Ellen – und zogen das Netz mit den Fischen hinter sich her. Als sie an Land gingen, sahen sie am Boden ein Kohlenfeuer und darauf Fisch und Brot liegen. Jesus sagte zu ihnen: Bringt von den Fischen, die ihr gerade gefangen habt! Da stieg Simon Petrus ans Ufer und zog das Netz an Land. Es war mit hundertdreiundfünfzig großen Fischen gefüllt, und obwohl es so viele waren, zerriss das Netz nicht. Jesus sagte zu ihnen: Kommt her und esst! Keiner von den Jüngern wagte ihn zu befragen: Wer bist du? Denn sie wussten, dass es der Herr war. Jesus trat heran, nahm das Brot und gab es ihnen, ebenso den Fisch.

Dies war schon das dritte Mal, dass Jesus sich den Jüngern offenbarte, seit er von den Toten auferstanden war.

 

Predigtgedanken von Dr. Andreas Kaiser

 Liebe Schwestern und Brüder,

Hochfahren, das war einer der häufigst verwendeten Begriffe in den vergangenen Tagen, die Schulen werden wieder hochgefahren, die Geschäfte und die Wirtschaft wird wieder hochgefahren, die Kirchen und  Gottesdienste werden wieder hochgefahren. Hochfahren, jedoch in einem langsamen Tempo, um nicht Gewonnenes zu verspielen.

Hochfahren – es ist eigentlich ein komischer Begriff. Er ist vertraut aus der Industrie, wenn Hochöfen hochgefahren werden, und er wurde übernommen von der IT Branche, wenn ein Rechner hochgefahren wird. Gemeint ist damit im Ursprünglichen Sinn: Es wird wieder in Funktion gesetzt. Was hochgefahren wird, beginnt wieder zu funktionieren.

Im Evangelium wird auch etwas hochgefahren, die Jünger beginnen das was sie meinen nach der Auferstehung Jesu tun zu müssen zu tun. Petrus, als der erkennbare Wortführer gibt den Takt an: „Ich gehe fischen.“ Er ist der Primus der Fels, und hat somit den Auftrag nun das umzusetzen, was sie gelernt haben von Jesus. Und er beginnt es auf seine Weise. Ich gehe fischen. Anders gesagt: Wir machen es so wie früher. Wir fahren nach dem ganzen Einbruch von Tod und Auferstehung Jesu den Betrieb wieder hoch.   – hat nicht Jesus selbst gesagt wir sind nun Menschenfischer? Wir machen das schon. Ich gehe fischen.

Aber in dieser  Nacht fingen sie nichts –  es hat nicht funktioniert. Und das, obwohl sie ihren Lebensunterhalt seit Generationen mit dieser Methode verdient hatten.

Dieses Evangelium, aus dem letzten Kapitel des Johannesevangeliums genommen faßt nochmals die wichtigen Momente zusammen, was es heißt ein neues Leben mit Gott zu führen. Mehrere Szenen werden in einer schnellen Abfolge auf wenigen Sätzen dargestellt, ganz gegen der sonst üblichen Art und Weise des Erzählens im Johannesevangelium. Fast ist der Eindruck da, der Autor wollte noch auf den letzten Metern dem Leser eine dringende Mitteilung machen, damit dieser nicht vergißt, was es bedeutet ein Leben mit Gott zu führen.

Im Verhalten des Petrus und der Jünger beim Fischen, es ist die erste Szene, wird dies besonders deutlich. Ein Leben mit Gott bedeutet nun auch ein Leben im und mit  dem Geist Gottes zu führen. Den Geist Gottes, den Heiligen Geist, in Allem zu suchen. Ein Leben mit Gott bedeutet nicht die eigene Gewissheit und das eigene Können in den Vordergrund zu stellen und das, dann von Gott absegnen zu lassen. Das führt zu dem Ergebnis: In dieser Nacht fingen sie nichts. Es braucht einen Lernprozess im Hinhören und Hinsehen auf Christus. Ein Hinsehen, wo und wie wirkt der Geist Gottes in meinem Leben, in meinen Entscheidungen und wie kann ich diesem Geist durch mein Leben mehr Raum geben? Wie kann ich mein Leben und meine Handlungen von diesem Geist Gottes führen und bestimmen lassen. Eine Führung, die darauf vertraut, dass ich zur Fülle des Lebens geführt Werde.

Die Jünger beginnen den Proszess der Erkenntnis durchaus schmerzhaft – denn in dieser Nacht fingen sie nichts - die großen Fischer. Aber durch diese Erfahrung der finsteren ergebnislosen Nacht werden sie geläutert und beginnen zu sehen. Sie sehen im Morgengrauen Jesus am Ufer stehen. Sie erkennen ihn, der schon immer da war, aber den sie durch das eigene Können und Wollen – Ich gehe fischen.  – nicht erkennen konnten.

Es zeigt sich hier ein Wesenszug Gottes, der sich nicht aufdrängt, der erkannt werden will aus der eignen Sehnsucht heraus. Die Jünger sind dieses Lernprozess durch das Scheitern des Fischfangs in der Nacht ernüchtert und sie beginnen dahinter zu sehen, beginnen auf Jesu Wort zu hören. Ein scheinbar unmögliches Wort, denn wer fischt schon am hellen Tag. Aber sie hören und sie beginnen  - gemeinsam – diesen Worten zu trauen und sie umzusetzen. Und sie erhalten die Erfüllung der Verheissung –sie fangen unendlich viele Fische. Dort wo die Jünger mit der Macht Gottes und in der Macht Gottes handeln, dort ist Erfüllung. Die Macht Gottes ist die Liebe, die hingebende Liebe. Wo also die Jünger aus und in der Liebe handeln, dort ist Erfüllung.

Was hat dies nun mit dem Hochfahren unseres Lebens in allen Bereichen zu tun? Ich denke sehr viel. Es war und wird noch für lange Zeit sein wie eine Nacht. Vieles hat sich verändert und auch wir sind einer Veränderung unterworfen – nicht nur dass wir nun alle mit diesen Masken herumlaufen. Ein Hochfahren – kann dort zu Erfüllung kommen, wo eben nicht nur auf das eigen Ego – Ich gehe fischen – geschieht, sondern als Christen dürfen wir es so sagen und müssen es so sagen, dass auch überlegt wird: Was will der Herr, was will Christus uns damit sagen? Wie ist sein Geist in diese Welt und in dieses Leben hineinzulegen, wenn wir nun wieder hochfahren. Wollen wir nur wieder funktionieren? Oder soll es ein Hochfahren werden, in dem auch seine Verheissungen erfüllt werden können? Ich meine da jetzt durchaus, dass jeder bei sich selbst schauen kann, wie weit er dem Heiligen Geis nun im Prozess der Hochfahrens Raum gibt und einlässt. Gerade als Christen in der Verantwortung in der Wirtschaft, in der Politik und in der Gesellschaft dürfen wir diese Frage nun auch – klug verpackt  - in das Hochfahren hineinlegen. Die Frage: Was will denn eigentlich Gott von mir und von uns? Wo ist sein Geist, der Geist der Liebe und Verantwortung Gott und seiner Schöpfung in dem Prozess des Hochfahrens erkennbar?

Ein Hochfahren, ein Neustart hat die Chance diese Frage am Beginn des Programms zu stellen persönlich und in der Gesellschaft. Haben wir Mut als Christen und bringen wir diese Frage in den Diskurs ein.

 

Gebet:

Es ist der Herr!
Petrus wirft sich in den See.
Er kann es nicht erwarten
zu Ihm zu gelangen,
den er so lange entbehren musste,
zu Jesus, den er liebt.

Wen liebe ich?
Auf welchem See bin ich unterwegs?
Wo werfe ich meine Netze aus?
Wenn ich Jesus in der Ferne sehen könnte,
würde ich alles stehen und liegen lassen
nur Ihm schnell nahe sein zu können?

Was hindert mich?
Was hält mich davon ab,
dem Impuls des Geistes zu folgen,
der Sehnsucht in mir nachzugeben
und zu Ihm zu eilen,
den meine Seele sucht?

Jesus, Du stehst am Ufer
und rufst mich!
Du lädst mich ein mich niederzulassen,
bei Dir zu sein um auszuruhen.
Lass mich tiefer einkehren
in die Stille Deiner Gegenwart
mit der Du mich umgibst
alle Tage meines Lebens.

Du reichst mir das Brot
und den Fisch,
Dich selbst als Lebensbrot,
als Sohn Gottes und mein Erlöser,
der mich in die Freiheit führt,
die ich mir nicht vorstellen kann
bis ich mich einlasse auf Dich hin…

Ich will nicht im Boot bleiben
und meine Netze festhalten.
Ich will mich loslassen,
mich hineinstürzen in das Wasser,
das mich Dir entgegenträgt,
in das lebendige Wasser,
Deinen Heiligen Geist,
der mich hinträgt zu Dir,
der mich in Deine Arme fallen lässt,
so dass ich aufgehoben bin für immer.

Ziehe mich zu Dir hin, Herr!
Zeige mir Deinen Weg
und hilf mir ihm zu folgen.

(F.D.4/2020)


2. Sonntag der Osterzeit, Sonntag der Barmherzigkeit

Evangelium,  Predigt und Gebet

pdf: 2. Sonntag der Osterzeit, Evangelium, Predigt und Gebet

Evangelium, Joh 20, 20-31

Am Abend dieses ersten Tages der Woche, als die Jünger aus Furcht vor den Juden bei verschlossenen Türen beisammen waren, kam Jesus, trat in ihre Mitte und sagte zu ihnen: Friede sei mit euch! Nach diesen Worten zeigte er ihnen seine Hände und seine Seite. Da freuten sich die Jünger, als sie den Herrn sahen. Jesus sagte noch einmal zu ihnen: Friede sei mit euch! Wie mich der Vater gesandt hat, so sende ich euch. Nachdem er das gesagt hatte, hauchte er sie an und sagte zu ihnen: Empfangt den Heiligen Geist! Denen ihr die Sünden erlasst, denen sind sie erlassen; denen ihr sie behaltet, sind sie behalten.

Thomas, der Didymus genannt wurde, einer der Zwölf, war nicht bei ihnen, als Jesus kam. Die anderen Jünger sagten zu ihm: Wir haben den Herrn gesehen. Er entgegnete ihnen: Wenn ich nicht das Mal der Nägel an seinen Händen sehe und wenn ich meinen Finger nicht in das Mal der Nägel und meine Hand nicht in seine Seite lege, glaube ich nicht. Acht Tage darauf waren seine Jünger wieder drinnen versammelt und Thomas war dabei. Da kam Jesus bei verschlossenen Türen, trat in ihre Mitte und sagte: Friede sei mit euch! Dann sagte er zu Thomas: Streck deinen Finger hierher aus und sieh meine Hände! Streck deine Hand aus und leg sie in meine Seite und sei nicht ungläubig, sondern gläubig! Thomas antwortete und sagte zu ihm: Mein Herr und mein Gott! Jesus sagte zu ihm: Weil du mich gesehen hast, glaubst du. Selig sind, die nicht sehen und doch glauben.

Noch viele andere Zeichen hat Jesus vor den Augen seiner Jünger getan, die in diesem Buch nicht aufgeschrieben sind. Diese aber sind aufgeschrieben, damit ihr glaubt, dass Jesus der Christus ist, der Sohn Gottes, und damit ihr durch den Glauben Leben habt in seinem Namen.

 
Predigt. (Pfarrer Dr. Andreas Kaiser)

Vor einer Woche haben wir - anders als sonst aber doch - Ostern gefeiert. Wir haben gefeiert in den kleinen Hausgemeinschaften, die uns in dieser Zeit erlaubt sind oder wir haben allein gefeiert und waren verbunden mit Vielen im Gebet. Wir haben zwar leiser als sonst gefeiert, aber, so haben es mir einige geschrieben und erzählt, der Inhalt des Feierns war intensiver und deutlicher wahrnehmbar. Die Kraft und Hoffnung von Ostern war neu zu spüren.

In einem Artikel der Wienerzeitung wurde ein Artikel über diese Osterzeit 2020 mit dem Hinweis auf den Osterspaziergang von Goethes Faust bearbeitet. Ein zweites Mal bekommt Ostern eine wichtige Bedeutung in diesem uns wohl aus der Schule  bekannten Werk. Als Dr. Faust, am Leben verzweifelnd aus dieser Hoffnungslosigkeit herausgerissen wird durch den Klang der fernen Osterglocken. Es beginnt sich langsam – Die Botschaft höre ich wohl, allein es fehlt der Glaube - eine Osterhoffnung in ihm auszubreiten. Eine Osterhoffnung, die ihn zurück in Leben führt. Die Osterhoffnung, die so viele Menschen in ihrem Leben vielfältig erfahren können, haben wir oft und oft durch die Feiern in den Kirchen - wie wir es gewohnt waren  - erfahren. Das war uns heuer nicht gegönnt, aber diese Hoffnung, die von Ostern kommt, ist eben vielfach erlebbar und manchmal stößt sie einen ganz leise, wie das Läuten einer Glocke in einer fernen Dorfkirche. Es ist die Hoffnung, dass nicht der Tod und die Dunkelheit den Sieg und das letzte Wort haben, sondern das Leben. In der Lesung aus dem Petrusbrief wird dies in der Sprache der Zeit zusammengefasst. Wir haben als getaufte Christen bereits nicht nur Hoffnung, sondern wir sind Hoffnung, weil wir durch das Erbarmen Jesu zu einer neuen Hoffnung gezeugt wurden. Etwas weniger kompliziert ausgedrückt:
Durch die Taufe sind wir in in ein neues Leben eingetaucht und emporgezogen worden. Wir haben uns dies nicht selbst gemacht, sondern durch das Erbarmen Jesus ist uns das geschenkt worden. Oder sagen wir es mit dem alten aber so schönen Wort: Durch die Barmherzigkeit Gottes ist uns dies geschenkt worden. Papst Johannes Paul II hat diesen 2. Ostersonntag zum Sonntag der Barmherzigkeit benannt. Eben weil er erinnern wollte,  dass wir von Gott, der barmherzig ist, der uns sucht, der uns liebt und der uns hilft ihn zu finden gerufen und aufgehoben wurden in das neue Leben hinein. Wir haben nicht nur Hoffnung, auf ein Leben mit Gott, sondern wir sind bereits diese Hoffnung. Also wir leben bereits in diesem Leben. Wir leben bereits im Himmel. Gut noch nicht ganz, und auch diese Erfahrung schreibt der Autor des Petrusbriefes: „Deshalb seid voll Freude, wenn es auch für kurze Zeit jetzt sein muss, dass ihr durch mancherlei Prüfungen betrübt werdet.“ Prüfungen und Herausforderungen gibt es zur Zeit viele zu bestehen. Aber bei all dem dürfen wir die Sicherheit und Gewissheit haben, dass wir nicht allein durch diese Prüfungen und Herausforderungen des Lebens gehen müssen, denn Christus geht mit uns. Es ist ein Weg, der unseren Glauben stärken wird, so schreibt der Autor weiter.

Die Stärkung des Glaubens ist also ein Weg, den wir gehen können. Davon berichtet uns auch das so bekannte Evangelium. Der Apostel Thomas, fälschlicherweise als der ungläubige bezeichnet, er geht einen Weg. Ein Weg vom Hören, über die Sehnsucht und die Begegnung hin zu einem Glauben in dem er sagen kann. Mein Herr und mein Gott. Da hat er dann wirklich nicht mehr nur die Hoffnung auf die Auferstehung und das Leben mit Gott, sondern da ist er Hoffnung, weil die Hoffnung in ihm zu leben begonnen hat. Mein Herr und Mein Gott – nicht mehr ich lebe, sondern Christus – der Auferstandene, die Hoffnung - lebt in mir. Wie sehr Christus uns dieses Leben der Hoffnung schenken will, zeigt sich auch in dem Evangelium, in dem er auf Thomas zugeht und ihn einlädt ihn zu berühren. Manchmal denke ich mir, wie tröstlich es wäre, so wie Thomas Christus anzugreifen, ihn zu berühren und zu erfahren, er lebt, auch heute, auch in dieser Welt. Aber dann dämmert es mir wieder, ja er lässt sich zwar nicht anfassen – vermutlich -  aber begreifen. Begreifen in den Schriften der Evangelien, begreifen in den Begegnungen mit den Menschen, begreifen in den Spuren, die er so vielfältig in diese Welt gelegt hat. Er lässt sich begreifen, weil er uns liebt, weil er barmherzig ist. Das ist die Hoffnung, die uns geschenkt ist, die wir leben dürfen, die wir sein dürfen. AMEN

Gebet

Wir haben den Herrn gesehen,
haben wir das wirklich?
Wir haben Auferstehung gefeiert,
Ostern hinter uns gebracht –
und jetzt?

Wo ist das Neue,
der Aufbruch,
die Freude am Herrn?
Was habe ich erwartet?
Wollte ich nur sehen,
dass alles wieder schnell normal wird,
alles läuft wie vorher,
als es noch keine Fastenzeit gab
inmitten der Coronakrise
mit ihren Einschränkungen
und der Ungewissheit:
Wie wird es weitergehen?

Es ist Ostern:
Jesus ist wahrhaft auferstanden!
Das Neue ist da inmitten des Alltags so wie er eben ist,
grau oder heiter, enttäuschend, erfreulich, verheißungsvoll.
Was tun wir jetzt?
Verharren wir einmütig im Gebet?
Glauben wir der Zusage:
Der Friede sei mit euch!
Unsere Zuversicht,
ist sie erwacht um schon wieder zu sterben?

Selig sind, die nicht sehen und doch glauben!
Wir aber sehen und erkennen doch nicht,
weil unser Glaube zu schwach ist um uns emporzuheben,
Auferstehung zu leben und zu erleben – jetzt.
Herr Jesus, wenn ich Dir begegne, dann lass mich Dich erkennen;
wenn Du zu mir kommst,
dann hilf mir Dich zu bekennen:
Mein Herr und mein Gott!
Du bist da,
wo ich mich zu Dir wende,
Du bist lebendig da für mich,
wenn ich Deine Wahrheit in mir wachsen lasse.
Du bist in mir
und lässt mich leben in Dir.
Diesen Samen der Freude, Herr,
lass wachsen in mir,
damit er zum Baum wird,
in dessen Schatten ich Ruhe finde
und die Sicherheit für mein Leben,
wo immer und wie immer
und inmitten meiner Angst,
dass Du bei mir bist als der Lebendige,
als der, der mich nie verlässt,
damit ich auferstehen kann um zu leben
für mich, für Dich, für die Menschen,
zu denen Du mich gesandt hast
Zeuge zu sein: Jesus lebt,

und darum auch ich!


Ostersonntag, 12. April 2020
Der Herr ist auferstanden- Er ist wahrhaft auferstanden - Halleluja

Bibelstellen: https://www.erzabtei-beuron.de/schott/register/osterzeit/schott_anz/index.html?file=osterzeit%2Fostersonntag%2FTagA.htm

pdf: Predigt Dr. Andreas Kaiser Osternacht und Ostergruß 2020

 


Osternacht, 11.04.2020

Bibelstellen: https://www.erzabtei-beuron.de/schott/register/osterzeit/schott_anz/index.html?file=osterzeit%2Fostersonntag%2FNachtA.htm

Predigt Osternacht
Pfarrer Dr. Andreas Kaiser

Predigt Andreas Kaiser Osternacht 2020.pdf

Der Herr ist auferstanden- Er ist wahrhaft auferstanden - Halleluja

So der alte Ostergruß der Christen über die ganze Welt hinweg.

Über alle Jahrhunderte, durch die vielen schönen und glücklichen Zeiten, aber auch durch die schweren Herausforderungen der Menschheit, durch die Dunkelheit, Ängste und Sorgen soll dieser Ruf als Stimme der Hoffnung klingen: Der Herr ist auferstanden.

Es ist nicht nur ein Hoffnungsruf der Mut machen soll, sondern es ist ein Ruf der weltbewegend und umwälzend ist. Denn dieser Ruf ist ein Glaubensbekenntnis.

Der Ruf spricht Jesus als Herrn an, als Herrn auch meines Lebens. In dem ich es ausspreche erkenne ich an, dass Christus Herr meines Lebens sein darf. Dass ich mein Leben mit seinem Leben verbinden will, und ihn in meinem Leben handeln lassen will.

Die Taufe – und in der Osternacht ist der Ursprungsort der Taufe, auch wenn wir es heuer ein wenig anders begehen – in der Taufe haben wir uns mit Christus verbunden, sodass wir nun in ihm leben und er in uns; dass Er Herr unseres Lebens sein kann.

Christus ist aber ein Herr, der uns nicht unterdrückt und unfrei macht. Wer sich einlässt auf seine Führung kann die Freiheit Gottes erfahren, darf erfahren, dass  er gottfähig gemacht wurde durch Jesus selbst.

„Ich habe den Menschen zur Höhe entrissen“, so schreibt es der frühchristliche Bischof Melito von Sardes im 2. Jahrhundert in seiner Osterpredigt. Also in einer Zeit, in der das Christentum zeitweise noch unter schwerer Verfolgung litt, einer Zeit, wo es viel Dunkelheit und Angst gab. Da mitten hinein in seiner Osterpredigt legt der Bischof diese Worte Jesu in den Mund: „Ich habe den Menschen entrissen zur Höhe des Himmels.“ Dadurch, dass Jesus alles durchlebt und durchlitten hat, auch den Tod, hat er alles aufgefangen und gottfähig gemacht. Der ist nun nicht mehr das letzte endgültige Wort, sondern es ist die Auferstehung, das emporgerissen sein zur Höhe des Himmels.

Der Herr ist auferstanden,  - er hat dadurch alles besiegt, auch den Tod, und uns mitgenommen auf den Weg des Lebens und der Hoffnung.

Die Frauen, die im Evangelium zum Grab kommen und als erstes diese frohe Botschaft hören, waren ergriffen und mit einer großen Freude erfüllt.

Im Ostergruß heißt es weiter  - „er ist wahrhaft auferstanden: Halleluja“

In dem Halleluja, das wir nun wieder singen, in diesem alten Jubelruf drückt sich die ganze Freude der Christen aus. Natürlich klingt heuer dieses Halleluja ein wenig eingeschränkt – wir können es nicht gemeinsam hier hinausrufen, wie können es nicht gemeinsam hier in unseren Kirchen feiern, wir können es nicht mit unseren Freunden und der größeren Familie teilen. Und dann sind da auch große Sorgen und Ängste. , Sorge um Menschen die gefährdet sind, Sorgen um den Arbeitsplatz und um das Überleben des Betriebes. Und doch dürfen wir in all diese Fragen und Sorgen das Halleluja der Osterfreude hineinrufen.

Was kann dazu in diesen Zeiten die Kraft geben?

Den Frauen wurde Aufgetragen, dass sie den Jüngern Jesu, berichten sollen – „Geht nach Galiläa dort werdet ihr Jesus sehen.“ Also zurück zu den Anfängen Dort wird nicht nur Jesus selbst euch als Auferstandener begegnen, sondern, so auch der Auftrag,  beginnt mit den Augen und der Erfahrung der Auferstehung Jesus nun zu sehen und zu begreifen und zu erkennen.

Vielleicht ist dies in diesen Tagen auch der Anruf an uns – mit der Brille der Auferstehung in die Welt und in die aktuellen Herausforderungen hineinzusehen. Die Brille der Auferstehung ist nicht die rosarote Brille, die alles lustig und unbeschwert erscheinen lässt – ein bisserl schadet das auch nicht. Es ist vor allem die Brille der Hoffnung die wir über all diese Herausforderungen, auch die größten und schwersten darüber legen können.

Die Hoffnung der Auferstehung, die Hoffnung auf dieses Leben mit Zukunft in das wir durch die Taufe mitgenommen worden sind, Eine Zukunft die uns geschenkt ist, weil wir zu den Höhen des Himmels von Christus emporgerissen wurden.

Mit dieser Sicht, auch in die größten Traurigkeit und Dunkelheit hinein – dürfen wir die Freude der Auferstehung bekennend rufen:
Der Herr ist auferstanden  - er ist wahrhaft auferstanden – Halleluja.

 


Karfreitag, 10.04.2020

Bibelstellen: https://www.erzabtei-beuron.de/schott/schott_anz/index.html?datum=2020-04-10

Predigt Karfreitag, 10.04.2020
Pfarrer Dr. Andreas Kaiser

pdf: Predigt Dr. Andreas Kaiser, Karfreitag 2020.pdf

 Liebe Schwestern und Brüder,

Heil‘ges Kreuz, sei hoch verehret –so werden wir auch heuer singen, im Rahmen der Verehrung des Kreuzes Jesu.

Wir verehren das Kreuz, ein Folterinstrument an dem so viele Menschen ihr Leben qualvoll lassen mussten.

 Wir sind es gewohnt, von klein auf, dass bildhafte Darstellungen von Kreuzen unser Leben begleiten. In unseren Wohnungen und auch noch manchmal in den Schulen. Und dann gibt es die vielen Wegkreuze in der Natur, die Gipfelkreuze auf den hohen Bergen  - an die manche in diesen Tagen voller Sehnsucht denken - und die vielen, auch manchmal kunstvollen und alten Kreuze in den Kirchen weltweit. 

Es schreckt nicht mehr so, wenn wir dieses Zeichen sehen, wir sind es gewohnt, aber am Karfreitag wird es uns bewusst, dass das Kreuz eigentlich ein totbringendes Folterinstrument ist.

Was macht nun dieses Mordwerkzeug, was macht diese Zusammenfassung menschlicher Brutalität und unmenschlicher Grausamkeit zum Heilgen Kreuz, das wir verehren.

In einem alten Lied, einem Hymnus aus dem 7. Jahrhundert wird das Kreuz besungen als „der Pfosten, gesalbt vom Blut des Lammes, der den Tod abhält.“

Gestern haben wir dieses Bild schon einmal gehört, in der Erzählung des Auszugs des Volkes aus Ägypten. Sie haben den Türsturz, den Türpfosten, mit Blut bestrichen und es hat sich dadurch symbolisch gezeigt: Wer durch diese Türpfosten hindurchgeht, wer sich auf den Ruf Gottes einlässt und mit ihm geht, der hat Leben. Das Blut ist als Sitz des Lebens zeigt dies bildhaft an.

Der Weg Jesu hin zum Kreuz war nicht der Racheplan eines bösen Gottvaters. Der Weg Jesu hin zum Kreuz war die Konsequenz seines Lebens. Ein Leben, dass durch die Liebe geprägt, mehr noch, dass die Liebe selbst ist. Überall wo diese Liebe zu den Menschen durch Jesu sichtbar wurde überall wo sich Menschen für diese Liebe geöffnet haben, war Leben möglich, War eine neue Freiheit möglich. Dieser Weg der Liebe musste aber auch mit der größten Dunkelheit, mit dem tiefsten Bösen in der Menschheit, konfrontiert werden. 

Die Konsequenz dieser gelebten Liebe, bis hin zur Feindesliebe war der Tod am Kreuz. Und selbst in diesem Moment, gibt der im Todeskampf stehende Jesu Liebe, wie die verschiedensten Evangelien Berichten. Immer Noch geht Liebe und Leben von ihm aus – so wie es Johannes im Prolog am Beginn des Evangeliums schreibt: in Ihm war das Leben. Und das  Leben war das Licht der Menschen und das Licht leuchtet selbst in der Dunkelheit. Selbst vom Kreuz herunter schenkt der hingebende Liebe und ermöglicht Leben. Er führt seine Mutter dem Jünger Johannes zu, um sie versorgt zu wissen. Er schenkt Liebe in dem er dem neben ihm gekreuzigten Verbrecher – so erzählt es Lukas – das Paradies zuspricht. Er schenkt Liebe in dem er seinen Mördern verzeiht. Er schenkt Liebe und Leben in dem der Hauptmann erkennt – Ja der war Gottes Sohn, und so sein Leben mit Christus, ein Leben der Hoffnung beginnen kann. Vom Kreuz herunter erfahren diejenigen die sich zum Christus hinwenden neues Leben. Die Hingabe Jesu aus Liebe durchbricht die Spirale der Gewalt, und öffnet eine Brücke hin zum Leben. Es gibt einen Weg heraus aus der Gewalt und zum Leben. Und der heißt Liebe, konsequent.

In dem alten Hymnus aus dem 7. Jahrhundert wird das Kreuz weiter besungen: Du, die Planke die uns rettet – aus dem Schiffbruch dieser Welt.

Das Kreuz wird zum Symbol der Rettung. Wie ein Schiffbrüchiger sich an die Planke klammert, die ihn bis zum Ufer bringt, so dürfen wir uns an das Kreuz klammern, als Zeichen des neuen Lebens mit Gott. Gerade dort wo es dunkel wird, wo wirklich das Gefühl herrscht ich treibe auf dem Meer und gehe Unter  - braucht es das Festhalten am Kreuz. Ein Blick hinauf zum Kreuz, kann Rettung bringen, weil die Kraft wiederkehrt. Es kehrt die Hoffnung wieder, dass das  Dunkel nicht für immer bleibt und das letzte Wort hat. Das Kreuz ist das Symbol, dass eben der Tod und Dunkelheit und Chaos uns Schiffbruch nicht das Ende sind, sondern der Durchgang  - wie im Auszug aus Ägypten, der Durchgang zum Leben in Freiheit, zum Leben in Gott. Christus selbst ist das Leben. Das Kreuz wird zur Planke, zur Rettung.

Gerade in dieser Zeit schauen wir auf und sehen den mitleidenden Gott mit uns. Ich erinnern nur an das Bild, als Papst Franziskus allein auf dem Petersplatz vor dem alten Pestkreuz der Stadt Rom gebetet hat, und der Regen auf dieses Kreuz viel, und es aussah als ob Christus weint.

Ein Mitleidender Gott, der aber durch dieses Mitleiden auch alles, auch das Leid erlöst und gottfähig gemacht hat. Ein Gott der uns aus der Dunkelheit hinein in das Leben, in das göttliche Leben führen will und führen kann. Wo wir uns ihm Zuwenden, auch mitten in der Dunkelheit, in der Angst, in der Ohnmacht, dort schenkt er Leben, neue Kraft und Zuversicht. Denn das Kreuz ist nicht länger das Zeichen für den Tod, sondern das Zeichen der Hoffnung. Der Hoffnung, dass es Leben gibt, ewiges Leben, erfülltes ewiges Leben. Das Zeichen dass es durch die Dunkelheit hindurch Auferstehung gibt.

Einer ist diesen Weg für uns gegangen und hat uns so die Brücke hinein in diese Hoffnung geschlagen. AMEN

 


Gründonnererstag, 09.04.2020

Bibelstellen: https://www.erzabtei-beuron.de/schott/schott_anz/index.html?datum=2020-04-09


Predigt Gründonnerstag 2020, Pfr. Dr. Andreas Kaiser

Predigt Andreas Kaiser Gründonnerstag 2020.pdf

Liebe Schwestern und Brüder,        

Der Gründonnerstag als Eingangstor in diese drei österlichen Tage stellt uns in den biblischen Lesungen 3 Momente vor, die verknüpft sind, die eigentlich eins sind.

Ich möchte sie mit den Begriffen – Freiheit, Hingabe und Liebe überschreiben.

Freiheit. In der ersten Lesung haben wir die uns bekannte Erzählung gehört, welche den die Israeliten aufbrechen ließ, heraus aus Ägypten heraus aus der Sklaverei in die FREIHET.
Es ist eine Mut machende Erzählung, zusammengestellt viele Jahrhunderte nach Mose um dem Volk Israel in einer bedrängten Zeit neues Vertrauen in Gott zu schenken. So wurde manches überzeichnet und symbolträchtig ausgeschmückt.

Die Autoren haben versucht, ihren Gott, als einen Gott der Zukunft und Leben schenkt  dazustellen. Ein Gott der die Seinen  heraus aus Gefangenschaft und Sklaverei führt und ihnen eine Zukunft schenken will die Leben bringt. Das Blut an den Türpfosten deutet genau dies symbolträchtig an. Blut war in der jüdischen Vorstellung der Sitz des Lebens. Und alles, was nicht in diese neue lebendige Zukunft führt, hat keinen Bestand und geht zu Grunde. Etwas marzialisch und für unsere Sinne sehr hart wird dies symbolhaft und bildhaft  ausgedrückt, wenn die Ältesten Ägyptens – die Erben, die Zukunft sein sollen, nicht überleben.

Ich denke gerade in diesen Tagen, lassen sich einige Momente der Erzählung gut nachvollziehen. Nach 4 Wochen Einschränkungen, legt sich manchmal auch so ein Gefühl der Unfreiheit um uns. Natürlich sind wir frei, aber diese Krankheit lässt uns doch schnell erkennen wo unsere Freiheit begrenzt ist.

Sehnsucht nach einer Freiheit. Das hat die Gruppe um Mose dazu gedrängt auf Gott zu vertrauen und sich führen zu lassen in eine neue Freiheit hinein. Nun wissen wir, dass diese neue Freiheit nicht gleich hinter Ägypten begonnen hat, sondern zunächst ein langer Weg durch die Wüste – 40 Jahre sagte die Tradition – zu bestreiten war. Aber sie sind gegangen, im Vertrauen auf Gott der zur Freiheit führt.

Jesus hat in seinem irdischen leben diese Freiheit gelebt. Eine Freiheit die zu einer HINGABE  wurde. Damit sind wir bei der zweiten Lesung, in der Paulus im Brief an die Korinther den Abendmahlsbericht niederschreibt. Das, was wir bei jeder Heiligen Messe hören und feiern. Die Worte, die die Priester seit fast 2000 Jahren im Namen Jesu sprechen dürfen.  

Die Worte und die Feier, die wir in diesen Tagen so schmerzlich als gemeinsame Feier vermissen.
Das ist mein Leib für euch, mein Blut für euch. Hingabe ist die Bewegung die Gott von Anfang an in dieser Welt und mit dieser Welt vollzieht. Das zeigt sich im Leben Jesu ganz deutlich. Hingabe, das heißt ganz da sein für den anderen, für jeden Menschen. Im letzten Abendmahl und in der immer wieder erinnernden Feiern zeigt sich diese Hingabe, die schließlich auch am Karfreitag zur Lebenshingabe wird. Hingabe für den andern, damit dieser leben kann. Es ist das Brot des Lebens – so wird die Eucharistie manchmal auch bezeichnet. Wir können sie in diesen Tagen nur mit den Herzen und Augen aufnehmen. Die Hingabe Jesu aber geschieht an jedem von uns immer wieder neu. Die Hingabe damit wir Menschen aufatmen und leben können. Für dich bin ich da – auch in den schwierigen Zeiten, durch die Wüste hindurch. Für dich gebe ich mich hin – spricht Jesus auch heute zu jedem von uns in unser Innerstes hinein.

Diese Bewegung, die Gott vollzieht und die in Jesus so deutlich wird, die begeht er aus LIEBE In der Szene der Fußwaschung verdeutlicht es Johannes wie sonst keiner der Evangelisten. Er hat diese Szene in sein Evangelium hineingesetzt, genau an jene Stelle in der die anderen Evangelien von den Worten Jesu berichten, „das ist mein Leib, das ist mein Blut.“ Diese Hingabe erfolgt aus Liebe. Jesus beginnt mit dem Ritus der Fußwaschung und deutet damit an, wie sehr die Liebe ein respektvolles Hinabsteigen, braucht um den anderen lebendig werden zu lassen.   – Wie viele Menschen tun dies gerade in der jetzigen Krise.

Jesus vollzieht diese Geste ja nicht am Beginn des Mahles, da haben wohl auch die Diener  den Dienst versehen und Füße gewaschen. Jesus stand vom Mahl auf. Während des Essens, beginnt er diesen Ritus. Er übernimmt nicht die Aufgabe eines anderen, sondern deutet an, wie groß die Liebe ist, die aus Hingabe heraus zu einer neuen Freiheit führen kann. In dieser Szene verdichtet sich all das was Jesus ist und was seine Sendung bedeutet und was er sein ganzes Leben getan hat.

Er beugt sich ganz hinunter zu den Menschen, aus Liebe. Und beginnt sie von ganz unten her zu reinigen, aufzufangen, Gottfähig zu machen. Immer mit dem Blick der Liebe. Dort wo der Mensch Jesus an sich handeln lässt, dort kann er erfahren, dass diese Liebe, die Gott uns Schenkt, zur einer inneren Freiheit führt die Gott erkennen lässt.

Liebe Schwestern und Brüder – Auch heute steigt Jesus tief hinunter, auch heute will Jesus in jedem von uns beginnen mit der Reinigung. Die Reinigung die alle Dunkelheit, alle Ohnmacht alle Ängste mit seiner Liebe auffüllen will.

Wo wir es zulassen, erkennen wir, zu welcher Freiheit  - auch inmitten der so großen Einschränkungen, auch inmitten der vielen unfreien Momente in dieser Welt wir berufen sind.

Freiheit die uns aus hingebender Liebe geschenkt wird. AMEM

 


Palmsonntag, 05.04.2020

Evangelium: Mt. 21, 1- 11
Passion: Mt 26,14 – 27,66

pdf: Evangelium und Passion Palmsonntag 2020

https://www.erzabtei-beuron.de/schott/schott_anz/index.html?datum=2020-04-05

Predigt Dr. Andreas Kaiser

pdf: Predigt Dr. Andreas Kaiser Palmsonntag 2020

Liebe Schwestern und Brüder,

Vor dem Altar habe ich einige Symbole aufgelegt, welche uns in der Leidenserzählung von Jesus begegnen. Symbole, welche sich die römischen Soldaten vor 2000 Jahren ausgedacht haben um Jesus zu verspotten. Die Dornenkrone, der purpurote Soldatenmantel, der Titutlus – die Tafel mit der die Schuld des Verurteilten angegeben wurde und die zur Verspottung ans Kreuz gehängt wurde. Und die wir heute auf vielen Kreuzdarstellungen haben:
INRI. Jesus nazareus, Rex Ioudorum. Jesus von Nazaret der König der Jude.
Platus ließ diese Schrift in den damaligen Sprachen von Jerusalem anbringen- Latein, Griechisch und Hebräisch.

Alles war ausgelegt, um dem Verurteilten, um Jesus zu verspotten – und doch haben die Soldaten damit unbewusst etwas gezeigt – eine Proklamation- Jesus ist der König. Unser König.

In einem bekannten Lied zum Palmsonntag heißt es. „Singt dem König Freudenpsalmen“. Und die erste Frage, die wir in der Kurzfassung der Leidensgeschichte aus dem Mund des Pilatus hören ist die Frage: Bist du der König der Juden?

Der Palmsonntag beginnt mit der Feier dieses Königs – alles was hier geschieht ist eine Königsproklamation – und doch auch wieder nicht, wie es in der Welt eigentlich gefeiert wird. Das hinaufheben auf den Esel – eine Inthronisation. Der Ruf der Menge, das Ausbreiten der Kleider  - es ist eine Königshuldigung.

Jesus der König, aber eben ein König, der nicht in das Schema der Welt hinein passt. Nicht einer der Macht und Reichtum anhäuft und, der große Schlösser baut und Schlachten gewinnt – sein Königtum ist nicht von dieser Welt.

Unser König - er kommt auf dem Esel. Er blickt nicht von oben herab, sondern nimmt unseren Blick auf. Diese Bewegung Gottes, den Menschen auf Augenhöhe zu begegnen, ist die Sendung Jesu in der Welt.

Unser König bekommt die Dornenkrone und einen alten Soldatenmantel umgehängt und wird verspottet. Und doch ist er ein König.

Jesus von Nazaret, der König. Unser König. Wie viele Menschen haben vor 2000 Jahren ihre Hoffnung auf diesen Jesus gesetzt, als er in Jerusalem eingezogen ist. Als er begonnen hatte, die Hohenpriester und die Tempelhierarchie auf ihre Verfehlungen hinzuweisen. Wie viele haben ihre Hoffnung auf ihn gesetzt, dass er Freiheit bringt und wirklich ein König für die Armen sein kann.

Und dann steht er vor Pilatus und wird verurteilt und gekreuzigt – und zum Hohn steht auf dem Kreuz: Der König der Juden.

Aber gerade durch diese Verhöhnung wurde die wahre Königsherrschaft Jesus sichtbar. Sein ganzes Leben verdichtet sich in diesen letzten Stunden seines irdischen Lebens. Das hingebende Sein für Gott und das hingebende Sein für die Menschen verdichtet sich in der Erhöhung am Kreuz.

Durch seinen konsequenten Weg der Liebe, den Jesus bis zur letzten Konsequenz gegangen ist, zeigt er worin das Programm, worin die Hoffnung seines Königtums liegt- Es ist das Programm der hingebenden, und verschenkenden Liebe und die daher auch die Spirale des Hasses durchbricht und so den Weg in Gott hinein, der Liebe selbst ist, eröffnet.

Liebe Schwestern und Brüder – Die Stadt Jerusalem hat Jesus eingelassen – aber so haben wir am Beginn der heutigen Messfeier gehört – sie erbebte als er einzog. Schon einmal ist ganz Jerusalem erschrocken (erbebt) – als am Beginn des Lebens Jesu die Weisen nach dem neugeborenen König fragten. Nun erschüttert es die ganze Stadt wieder, als dieser König einzieht, und als Jesus stirbt bebte die Erde wieder und der Hauptmann, der Heide, bekennt – dieser war Gottes Sohn.

Die Begegnung mit Jesus, dem König erschüttert, rüttelt auf, macht wach.

Wir sind in diesen Tagen mit vielen Fragen konfrontiert. Wie wird es weitergehen? Wie wird unser Gesundheitssystem das aushalten? Wie wird die Wirtschaft dies alles aushalten?
Und sie haben auch sicherlich viele persönliche Erschütterungen. – Werde ich in meiner Arbeitslosigkeit weiterkommen? Wird mein Betrieb das überstehen? Werden meine Angehörigen und meine Freunde überleben? Werde ich die Einsamkeit weiterhin aushalten können? Werde ich unser Zusammensein auf engsten Raum als Familie weiterhin aushalten können? Viele Erschütterungen, die unser Leben in den letzten Wochen geprägt haben. Lassen wir in diese Erschütterungen Jesu einziehen. – Öffnen wir die Tore unsere Lebens, so wie die Tore Jerusalems geöffnet wurden. Und lassen wir Jesus wirklich König, Herr des Lebens, unseres Lebens werden. Wenden wir uns um – kehren wir um – zu ihm hin.

Wer in die Erschütterungen des Lebens Jesus einlässt, sein Leben auf ihn hin ausrichtet, kann erkennen, hier ist Hoffnung und Heilung. Hier ist Zukunft, hier ist der Weg des Lebens und der Liebe. Der Hauptmann am Ende der Leidenserzählung hat es erkannt. Er war offen in der Erschütterung für das ankommen Jesus in seinem Leben.

Öffnet die Tore für Christus –so hat Papst Johannes Paul II den Menschen zugerufen. Öffnen wir unser Tor für Christus mitten in dieser herausfordernden, in dieser erschütternden Zeit. in der Dunkelheit, in den Fragen und Suchen. Er wird unser Leben füllen mit Hoffnung und Zuversicht. Er ist der König, der durch das Kreuz hindurch Leben bringt. AMEN

Zur geistlichen Kommunion während der Liveübertragung der Hl. Messe

Zur_geistlichen_Kommunion_während_der_Livebertragung.pdf

 

 Jesus, Du bist hier,                                                                                                                                              

so fern und doch ganz nahe.

Du kennst meine Sehnsucht

Dich zu empfangen

und nur Du kannst sie stillen.

IN DIESEM BROT BIST DU DA

und ich bete Dich an.

Ich glaube, mein Jesus,

dass Du jetzt auch zu mir kommst,

weil die Liebe,

durch die Du Dich in diesem Geheimnis schenkst,

unteilbar ist und uns alle

mit Dir vereinigt im heiligen Geist,

mein Jesus.


für 29.03.2020, 5. Fastensonntag, Lesejahr A

Fünfter Fastensonntag 2020 als pdf

Evangelium
Joh 11, 3-7.17.20-27.33b-45

In jener Zeit sandten die Schwestern des Lazarus Jesus die Nachricht: Herr, dein Freund ist krank.

Als Jesus das hörte, sagte er: Diese Krankheit wird nicht zum Tod führen, sondern dient der Verherrlichung Gottes: Durch sie soll der Sohn Gottes verherrlicht werden. Denn Jesus liebte Marta, ihre Schwester und Lazarus.

Als er hörte, dass Lazarus krank war, blieb er noch zwei Tage an dem Ort, wo er sich aufhielt. Danach sagte er zu den Jüngern: Lasst uns wieder nach Judäa gehen. Als Jesus ankam, fand er Lazarus schon vier Tage im Grab liegen.

Als Marta hörte, dass Jesus komme, ging sie ihm entgegen, Maria aber blieb im Haus. Marta sagte zu Jesus: Herr, wärst du hier gewesen, dann wäre mein Bruder nicht gestorben. Aber auch jetzt weiß ich: Alles, worum du Gott bittest, wird Gott dir geben.

Jesus sagte zu ihr: Dein Bruder wird auferstehen. Marta sagte zu ihm: Ich weiß, dass er auferstehen wird bei der Auferstehung am Letzten Tag. Jesus erwiderte ihr: Ich bin die Auferstehung und das Leben. Wer an mich glaubt, wird leben, auch wenn er stirbt, und jeder, der lebt und an mich glaubt, wird auf ewig nicht sterben. Glaubst du das?

Marta antwortete ihm: Ja, Herr, ich glaube, dass du der Messias bist, der Sohn Gottes, der in die Welt kommen soll.

Nach diesen Worten ging sie weg, rief heimlich ihre Schwester Maria und sagte zu ihr: Der Meister ist da und lässt dich rufen. Als Maria das hörte, stand sie sofort auf und ging zu ihm. Denn Jesus war noch nicht in das Dorf gekommen; er war noch dort, wo ihn Marta getroffen hatte.

Die Juden, die bei Maria im Haus waren und sie trösteten, sahen, dass sie plötzlich aufstand und hinausging. Da folgten sie ihr, weil sie meinten, sie gehe zum Grab, um dort zu weinen. Als Maria dorthin kam, wo Jesus war, und ihn sah, fiel sie ihm zu Füßen und sagte zu ihm: Herr, wärst du hier gewesen, dann wäre mein Bruder nicht gestorben.

Als Jesus sah, wie sie weinte und wie auch die Juden weinten, die mit ihr gekommen waren, war er im Innersten erregt und erschüttert.

Er sagte: Wo habt ihr ihn bestattet? Sie antworteten ihm: Herr, komm und sieh!

Da weinte Jesus. Die Juden sagten: Seht, wie lieb er ihn hatte! Einige aber sagten: Wenn er dem Blinden die Augen geöffnet hat, hätte er dann nicht auch verhindern können, dass dieser hier starb?

Da wurde Jesus wiederum innerlich erregt, und er ging zum Grab. Es war eine Höhle, die mit einem Stein verschlossen war.

Jesus sagte: Nehmt den Stein weg! Marta, die Schwester des Verstorbenen, entgegnete ihm: Herr, er riecht aber schon, denn es ist bereits der vierte Tag.

Jesus sagte zu ihr: Habe ich dir nicht gesagt: Wenn du glaubst, wirst du die Herrlichkeit Gottes sehen?

Da nahmen sie den Stein weg. Jesus aber erhob seine Augen und sprach: Vater, ich danke dir, dass du mich erhört hast. Ich wusste, dass du mich immer erhörst; aber wegen der Menge, die um mich herum steht, habe ich es gesagt; denn sie sollen glauben, dass du mich gesandt hast.

Nachdem er dies gesagt hatte, rief er mit lauter Stimme: Lazarus, komm heraus!

Da kam der Verstorbene heraus; seine Füße und Hände waren mit Binden umwickelt, und sein Gesicht war mit einem Schweißtuch verhüllt. Jesus sagte zu ihnen: Löst ihm die Binden, und lasst ihn weggehen! Viele der Juden, die zu Maria gekommen waren und gesehen hatten, was Jesus getan hatte, kamen zum Glauben an ihn.

Predigt Dr. Andreas Kaiser
zum 5. Fastensonntag

Ich bin das Leben, glaubst du das? (Predigt von Dr. Andreas Kaiser)

Der Stein liegt vor dem Grab in dem Lazarus bestattet wurde. Ein junger Mann in der Blüte seines Lebens, mitten aus dem Leben heraus gestorben. Der Stein schließt das Kapitel vorerst ab. Jeden Tag hören wir die steigenden Zahlen jener, die weltweit an der Pandemie sterben. Jeden Tag sterben in dieser Welt tausende Menschen und viele sehr plötzlich, mitten aus dem Leben heraus. Wenn es möglich ist werden sie bestattet und es wird Totenklage für fast alle gehalten. Trauer und Ohnmacht angesichts des Todes sind auf der ganzen Welt allgegenwärtig und nicht neu. Es war auch zur Zeit Jesu so. Inmitten einer Zeit, in der eine gnadenlose Militärdiktatur durch die Römer herrschte.

Mitten in die Trauer der Menschen, die um ihren geliebten jungen Freund weinen, mitten in die Ohnmacht und die Hoffnungslosigkeit fragt einer – „Glaubst du, dass ich Auferstehung und Leben bin? Jeder der an mich glaubt und stirbt wird leben, auch wenn er stirbt. Glaubst du das?“

Es ist heute am fünften Fastensonntag eine Anfrage Jesu an seine Jünger und Jüngerinnen, eine Anfrage Jesu an uns. „Glaubst du, dass ich das Leben bin, für dich?“

Seit vierzehn Tagen leben wir nun ganz anders, als wir es gewohnt waren. Keine Schule und kein Kindergarten, keine Kontakte mit den Freunden und Familien, keine gemeinsamen Gottesdienste, kein Pfarrcafé, keine Runden und Gruppen. Familien sind zusammen in einer Wohnung so dicht und eng wie sonst nie, was herausfordernd ist. Und die Einsamen und Alleinstehenden fühlen wie die Einsamkeit sie umfängt und manchmal niederdrückt. Andere leisten Arbeit und Dienste mehr als sonst, bis zur Erschöpfung um das System aufrecht erhalten zu können. Und über all dem schweben die Sorgen und Fragen, wie wird sich das alles wirtschaftlich ausgehen?

Ist das leben? Ist das ein Leben, wie wir es uns erträumen und wünschen? Ich denke nicht. In gewisser Weise sind wir durch diesen Virus in die notwendigen Maßnahmen gehalten und gebunden fast so wie Lazarus mit den Leinenbinden. Wir können uns nicht so bewegen wie wir wollen, wir können nicht ausbrechen aus der Gebundenheit.

Und da kommt einer und sagt; „Ich bin das Leben! Ich bin die Auferstehung und das Leben!“

Jesus will mein Leben sein. Lazarus wird gerufen und wankt auf Jesus zu, die Leinenbinden lösen sich und er kommt auf den zu, der Leben selbst ist.

Ich denke, liebe Brüder und Schwestern, dass Jesus diese Worte gerade in unsere Unsicherheit und Ohnmacht hineinrufen will. Gerade dort, wo wir meinen, wir leben nicht mehr richtig und sind gebunden. Sein Ruf will laut in unsrer Existenz hineinschallen: „ICH BIN DAS LEBEN!“

Beginnen wir dieses Leben, beginnen wir Jesus aufzunehmen und eine Bewegung zu machen wie Lazarus, die Bewegung auf Jesus zu. Er ruft zum Leben. Zu einem Leben, dass Hoffnung und Kraft und Zuversicht gibt, gerade wenn rundum so manches wie Tod und hoffnungslos erscheint. Da braucht es die Kraft des Lebens, die Kraft der Dankbarkeit und die Kraft der Freude und Hoffnung. „Ich bin Auferstehung und Leben – wer an mich glaubt wird leben. Glaubst du das?“ So fragt Jesus die Schwestern Marta und Maria. Vertraust du darauf, so können wir die Frage freier übersetzen. Vertrauen wir ihm. Überlassen wir all unsere Sorgen, all unsere Ohnmacht, all unser Wut und Fragen ihm, der zum Leben führen will. Vertrauen wir ihm im Gebet und wir werden erfahren, er ist das Leben, das uns ruft. Er schenkt uns die Kraft aus der Dunkelheit auf ihn zuzugehen Wo wir Christus, als Lebensatmen, in all unsere Fragen, Sorgen und Verwirrtheiten einlassen, erfahren wir auch seine Kraft, die Leben schenkt. Erfahren wir seine Kraft weiterzugehen auch in den Herausforderungen dieses so neuen Alltags. Dort wo er mehr und mehr aus dem Vertrauen heraus unser Lebensatem wird, dort erfahren wir auch die Hoffnung, die Hoffnung, dass es auch eine größere Wirklichkeit gibt in der wir schon jetzt sein und leben dürfen.

Die Freude am Herrn, die soll unsere Kraft und unser Leben sein.
AMEN

 

Gebet zum 5. Fastensonntag 2020, Passionssonntag Lesejahr A

Lazarus komm heraus!

So hast Du, Herr, ihn gerufen.

Und Lazarus kommt, folgt Deinem Wort.

Vier Tage schon alles hinter sich gelassen,

seine Familie, seinen Alltag, ledig aller Sorgen,

wäre er nicht lieber geblieben im Land der Ruhe,

abgeschieden dem Lärm der Welt?

Fragte er nicht: Muss das jetzt sein?

Statt mich Seiner Ruhe zu freuen,

von Gott mich rufen zu lassen ins alltägliche Menschsein?

Diese Rückkehr ist keine Auferstehung!

Lazarus wird in Dienst genommen,

muss für uns Zeichen sein,

damit wir sehen und bekennen:

Jesus Christus, Du bist der Herr,

auch über das Leben und Tod!

In Dir ist Gott zu uns gekommen, um bei uns zu sein,

damit wir Dir glauben und in Dir leben.

Rufst Du auch mich?

Aus welcher Enge, die mich niederdrückt,

muss ich herauskommen, um wirklich lebendig zu sein?

Gerade jetzt: Wohin rufst Du mich?

Näher zu Dir oder mit Dir zurück in meinen Alltag?

Wenn ich mich rufen lasse, wird nichts mehr sein wie vorher,

denn Du verwandelst alles und machst mich neu.

Lass mich Deine Stimme hören, Jesus!

Komm und befreie mich!

Mit Dir verbunden lebe ich hier und dort;

für Dich und Deine Menschen, nur darauf kommt es an.

Getauft leben wir aus der Gemeinschaft mit Dir,

in deiner Liebe, die uns jetzt trägt und immer.

Daran halte ich mich fest, darauf vertraue ich,

mein Herr und mein Gott.                                                         

F.D. 3/2020



für 22.03.2020, 4. Fastensonntag, Lesejahr A

Evangelium
Joh 9, 1-41

+ Aus dem heiligen Evangelium nach Johannes

In jener Zeit sah Jesus einen Mann, der seit seiner Geburt blind war.
Da fragten ihn seine Jünger: Rabbi, wer hat gesündigt? Er selbst? Oder haben seine Eltern gesündigt, so dass er blind geboren wurde?
Jesus antwortete: Weder er noch seine Eltern haben gesündigt, sondern das Wirken Gottes soll an ihm offenbar werden.
Wir müssen, solange es Tag ist, die Werke dessen vollbringen, der mich gesandt hat; es kommt die Nacht, in der niemand mehr etwas tun kann. Solange ich in der Welt bin, bin ich das Licht der Welt.
Als er dies gesagt hatte, spuckte er auf die Erde; dann machte er mit dem Speichel einen Teig, strich ihn dem Blinden auf die Augen und sagte zu ihm: Geh und wasch dich in dem Teich Schiloach! Schiloach heißt übersetzt: Der Gesandte. Der Mann ging fort und wusch sich. Und als er zurückkam, konnte er sehen.
Die Nachbarn und andere, die ihn früher als Bettler gesehen hatten, sagten: Ist das nicht der Mann, der dasaß und bettelte?
Einige sagten: Er ist es. Andere meinten: Nein, er sieht ihm nur ähnlich. Er selbst aber sagte: Ich bin es.
Da fragten sie ihn: Wie sind deine Augen geöffnet worden?
Er antwortete: Der Mann, der Jesus heißt, machte einen Teig, bestrich damit meine Augen und sagte zu mir: Geh zum Schiloach, und wasch dich! Ich ging hin, wusch mich und konnte wieder sehen.
Sie fragten ihn: Wo ist er? Er sagte: Ich weiß es nicht.
Da brachten sie den Mann, der blind gewesen war, zu den Pharisäern.
Es war aber Sabbat an dem Tag, als Jesus den Teig gemacht und ihm die Augen geöffnet hatte.
Auch die Pharisäer fragten ihn, wie er sehend geworden sei. Der Mann antwortete ihnen: Er legte mir einen Teig auf die Augen; dann wusch ich mich, und jetzt kann ich sehen.
Einige der Pharisäer meinten: Dieser Mensch kann nicht von Gott sein, weil er den Sabbat nicht hält. Andere aber sagten: Wie kann ein Sünder solche Zeichen tun? So entstand eine Spaltung unter ihnen.
Da fragten sie den Blinden noch einmal: Was sagst du selbst über ihn? Er hat doch deine Augen geöffnet. Der Mann antwortete: Er ist ein Prophet.
Die Juden aber wollten nicht glauben, dass er blind gewesen und sehend geworden war. Daher riefen sie die Eltern des Geheilten und fragten sie: Ist das euer Sohn, von dem ihr behauptet, dass er blind geboren wurde? Wie kommt es, dass er jetzt sehen kann?
Seine Eltern antworteten: Wir wissen, dass er unser Sohn ist und dass er blind geboren wurde. Wie es kommt, dass er jetzt sehen kann, das wissen wir nicht. Und wer seine Augen geöffnet hat, das wissen wir auch nicht. Fragt doch ihn selbst, er ist alt genug und kann selbst für sich sprechen.
Das sagten seine Eltern, weil sie sich vor den Juden fürchteten; denn die Juden hatten schon beschlossen, jeden, der ihn als den Messias bekenne, aus der Synagoge auszustoßen. Deswegen sagten seine Eltern: Er ist alt genug, fragt doch ihn selbst.
Da riefen die Pharisäer den Mann, der blind gewesen war, zum zweiten Mal und sagten zu ihm: Gib Gott die Ehre! Wir wissen, dass dieser Mensch ein Sünder ist. Er antwortete: Ob er ein Sünder ist, weiß ich nicht. Nur das eine weiß ich, dass ich blind war und jetzt sehen kann.
Sie fragten ihn: Was hat er mit dir gemacht? Wie hat er deine Augen geöffnet?
Er antwortete ihnen: Ich habe es euch bereits gesagt, aber ihr habt nicht gehört. Warum wollt ihr es noch einmal hören? Wollt auch ihr seine Jünger werden?
Da beschimpften sie ihn: Du bist ein Jünger dieses Menschen; wir aber sind Jünger des Mose.
Wir wissen, dass zu Mose Gott gesprochen hat; aber von dem da wissen wir nicht, woher er kommt.
Der Mann antwortete ihnen: Darin liegt ja das Erstaunliche, dass ihr nicht wisst, woher er kommt; dabei hat er doch meine Augen geöffnet.
Wir wissen, dass Gott einen Sünder nicht erhört; wer aber Gott fürchtet und seinen Willen tut, den erhört er. Noch nie hat man gehört, dass jemand die Augen eines Blindgeborenen geöffnet hat. Wenn dieser Mensch nicht von Gott wäre, dann hätte er gewiss nichts ausrichten können.
Sie entgegneten ihm: Du bist ganz und gar in Sünden geboren, und du willst uns belehren? Und sie stießen ihn hinaus.
Jesus hörte, dass sie ihn hinausgestoßen hatten, und als er ihn traf, sagte er zu ihm: Glaubst du an den Menschensohn?
Der Mann antwortete: Wer ist das, Herr? Sag es mir, damit ich an ihn glaube.
Jesus sagte zu ihm: Du siehst ihn vor dir; er, der mit dir redet, ist es.
Er aber sagte: Ich glaube, Herr! Und er warf sich vor ihm nieder.
Da sprach Jesus: Um zu richten, bin ich in diese Welt gekommen: damit die Blinden sehend und die Sehenden blind werden.
Einige Pharisäer, die bei ihm waren, hörten dies. Und sie fragten ihn: Sind etwa auch wir blind?
Jesus antwortete ihnen: Wenn ihr blind wärt, hättet ihr keine Sünde. Jetzt aber sagt ihr: Wir sehen. Darum bleibt eure Sünde.

 

Predigt Dr. Andreas Kaiser
zum 4. Fastensonntag

Liebe Schwestern und Brüder – Während ich diese Predigt schreibe sitze ich in meinem Zimmer. Das Fenster ist geöffnet und Sonne und Frühlingsluft strömen herein. Das Vogelgezwitscher ist nun auch tagsüber zu hören, da es sonst sehr still in Wien und auch in Ober St. Veit geworden ist. Es ist fast unwirklich, wenn dieses schöne Wetter und die aufbrechende Frühlingsstimmung betrachtet wird  und gleichzeitig im Bewusstsein ist, dass uns diese schwere Pandemie in vielerlei Hinsicht lähmt. Diese alles dominierende Krankheit bringt Angst und Fragen und Sorgen und auch Leid. Mitten im Licht des anbrechenden Frühlings.

Aber vielleicht ist es doch auch wieder ein tröstliches Bild.

Im Evangelium des heutigen Sonntags begegnet uns das Zeichen der Blindenheilung. Eines der Zeichen, die Jesus tut, um zu zeigen, dass in ihm der Messias gekommen ist. Blinde werden sehen – das ist die Verheißung des Propheten Jesaja für das messianische Zeitalter. Und nun kann da einer sehen. Er kommt aus der Dunkelheit, in der er gefangen war zum Licht. Er wird von Christus zum Licht geführt.

Liebe Brüder und Schwestern, zur Zeit kann der Eindruck entstehen, wir sitzen in der Dunkelheit. Die Ohnmacht, die Sorgen die Fragen das Leid es ist all gegenwärtig und nimmt große Teile unseres Lebensalltags ein. Gebannt verfolgen wir die Zahlen und Entwicklungen, immer mit der Frage im Hintergrund: Wann wird es aufhören. Wir sitzen in der Dunkelheit.

Jesus fragt den blinden Mann nicht, ob er geheilt werden will. Er geht auf ihn zu und führt ihn aus der Dunkelheit in das Licht. Er konnte sehen, konnte das Licht erkennen. Er konnte wirklich erkennen, nicht nur physisch geheilt sehen, sondern erkennen. Er beginnt Zeugnis zu geben, er beginnt zu erzählen von seiner Erfahrung, von seiner Gottesbegegnung.

Diese Bewegung, die Hinführung zum Licht, die hat Jesus mit uns in der Taufe vollzogen. Es ist immer wieder schön bei Kleinkindertaufen, wenn der Pate oder die Patin die Taufkerze entzünden und mit diesem Licht der Osterkerze zu seinem Taufkind geht. Wie die Augen der Kleinen zu leuchten beginnen, wenn sie dieses Licht erblicken und voller Bewunderung in die Kerze sehen.

Wir sind herausgeführt worden aus der Finsternis in das Licht und dürfen als Kinder des Lichts leben. Dürfen auch in der tiefsten Finsternis die Hoffnung haben, dass uns Christus das Licht nicht verlässt.

Das Licht Jesu leuchtet herein in die Dunkelheit. Und Es gibt Kraft, Mut und Stärke. Kraft und Mut gerade jetzt nicht zu verzagen. Kraft und Mut sich in den neuen Begebenheiten einzufinden und trotzdem festzuhalten an dem was uns wertvoll und wichtig ist.

Trotzdem zu vertrauen, dass Christus das Licht uns nicht verlässt, dass wir uns nach diesen Licht sehnen und ausstrecken dürfen. Und, dass wir gestärkt von dieser Beziehung mit Christus auch anderen Mut machen dürfen und Trost zusprechen dürfen. Im Gebet, durch eine Anruf, durch ein aufmunterndes Wort. Wir spüren jetzt so stark wie nie, dass wir aufeinander angewiesen sind. Und wir dürfen erfahren, dass da einer ist, der die Menschen zum Licht führen will, der Licht, ewiges Licht schenken kann. Ein Licht, das von Ostern her in die Welt, in die Dunkelheit hereinleuchtet. Auch in unsere Dunkelheit. Wir sind nicht allein unterwegs, wir sind miteinander und Christus das Licht geht mit uns! AMEN

 

 

Gebet für den 4. Fastensonntag 2020

 Sind nicht auch wir blind?

Wollen wir die Not unserer Zeit sehen?

Kann ich meine Blindheit erkennen,

will ich sie vor Jesus bringen, damit ER sie heilt?

In meiner Taufe hast Du, o Herr,

Dein Licht in mir entzündet.

Ist ES trüb geworden durch meine Unaufmerksamkeit?

Habe ich zu wenig zugelassen, dass Dein Licht sich in mir entfaltet,

ES mich mit Seinem Glanz ganz durchdringt?

In welche trüben Sackgassen hat es mich verschlagen,

deren Mühsal an mir hängen geblieben ist

ohne dass ich es bemerke?

Lass Dein Licht in mir nicht Finsternis sein,

sondern lass es aufleuchten durch Deine heilende Gegenwart!

Reinige den trüben Spiegel,

damit er Dein Licht widerspiegelt,

ich selbst durch Dich zum Licht werde.

Du, Jesus, bist das Licht der Welt, das leuchtet, wärmt und tröstet.

In unserer Gemeinde, in Deiner Kirche, entfache die Flamme neu,

lass Dein Licht aufleuchten, dass alle Dich erkennen,

der Du der einzige Herr bist

mit dem Vater und dem Hl. Geist - und keiner sonst!

Denn es ist uns kein anderer Name gegeben,

durch den wir gerettet werden als Jesus Christus:

ER ist der mit dem Geist Gesalbte, von Ihm kommt Heil und Rettung,                                                                                       

weil ER auch heute die Augen öffnet und Neues Leben schenkt

denen, die Ihn in Seinem Namen bitten:

Jesus Christus, erbarme Dich meiner!

 

F.D. 3/2020


für 15.03.2020, 3. Fastensonntag, Lesejahr A

Evangelium

Joh 4, 5-15.19b-26.39a.40-42

Das Wasser, das ich gebe, wird zur sprudelnden Quelle, deren Wasser ewiges Leben schenkt

+ Aus dem heiligen Evangelium nach Johannes

In jener Zeit

5kam Jesus zu einem Ort in Samarien, der Sychar hieß und nahe bei dem Grundstück lag, das Jakob seinem Sohn Josef vermacht hatte.

6Dort befand sich der Jakobsbrunnen. Jesus war müde von der Reise und setzte sich daher an den Brunnen; es war um die sechste Stunde.

7Da kam eine samaritische Frau, um Wasser zu schöpfen. Jesus sagte zu ihr: Gib mir zu trinken!

8Seine Jünger waren nämlich in den Ort gegangen, um etwas zum Essen zu kaufen.

9Die samaritische Frau sagte zu ihm: Wie kannst du als Jude mich, eine Samariterin, um Wasser bitten? Die Juden verkehren nämlich nicht mit den Samaritern.

10Jesus antwortete ihr: Wenn du wüsstest, worin die Gabe Gottes besteht und wer es ist, der zu dir sagt: Gib mir zu trinken!, dann hättest du ihn gebeten, und er hätte dir lebendiges Wasser gegeben.

11Sie sagte zu ihm: Herr, du hast kein Schöpfgefäß, und der Brunnen ist tief; woher hast du also das lebendige Wasser?

12Bist du etwa größer als unser Vater Jakob, der uns den Brunnen gegeben und selbst daraus getrunken hat, wie seine Söhne und seine Herden?

13Jesus antwortete ihr: Wer von diesem Wasser trinkt, wird wieder Durst bekommen;

14wer aber von dem Wasser trinkt, das ich ihm geben werde, wird niemals mehr Durst haben; vielmehr wird das Wasser, das ich ihm gebe, in ihm zur sprudelnden Quelle werden, deren Wasser ewiges Leben schenkt.

15Da sagte die Frau zu ihm: Herr, gib mir dieses Wasser, damit ich keinen Durst mehr habe und nicht mehr hierher kommen muss, um Wasser zu schöpfen.

19bIch sehe, dass du ein Prophet bist.

20Unsere Väter haben auf diesem Berg Gott angebetet; ihr aber sagt, in Jerusalem sei die Stätte, wo man anbeten muss.

21Jesus sprach zu ihr: Glaube mir, Frau, die Stunde kommt, zu der ihr weder auf diesem Berg noch in Jerusalem den Vater anbeten werdet.

22Ihr betet an, was ihr nicht kennt, wir beten an, was wir kennen; denn das Heil kommt von den Juden.

23Aber die Stunde kommt, und sie ist schon da, zu der die wahren Beter den Vater anbeten werden im Geist und in der Wahrheit; denn so will der Vater angebetet werden.

24Gott ist Geist, und alle, die ihn anbeten, müssen im Geist und in der Wahrheit anbeten.

25Die Frau sagte zu ihm: Ich weiß, dass der Messias kommt, das ist: der Gesalbte - Christus. Wenn er kommt, wird er uns alles verkünden.

26Da sagte Jesus zu ihr: Ich bin es, ich, der mit dir spricht.

39aViele Samariter aus jenem Ort kamen zum Glauben an Jesus.

40Als die Samariter zu ihm kamen, baten sie ihn, bei ihnen zu bleiben; und er blieb dort zwei Tage.

41Und noch viel mehr Leute kamen zum Glauben an ihn aufgrund seiner eigenen Worte.

42Und zu der Frau sagten sie: Nicht mehr aufgrund deiner Aussage glauben wir, sondern weil wir ihn selbst gehört haben und nun wissen: Er ist wirklich der Retter der Welt.

 

 

Predigt Dr. Andreas Kaiser

Liebe Pfarrgemeinde –

Es ist die erste Predig, welche ich nicht selbst vor euch sprechen kann, sondern welche ich schriftlich niederschreibe und euch somit versuche meine Gedanken zum Sonntagsevangelium mitzuteilen.

Und natürlich bewegt uns in diesen Tagen weitaus mehr. Die Frage wie wird es weitergehen, was wird da noch alles auf uns zukommen. Die Meldungen in den Medien, die immer wieder neue Herausforderungen angesichts dieser Krankheit bringen, und die Ohnmacht mit der wir vor diesen Ereignis stehen.

Die Politik versucht das Mögliche zu tun um die Bevölkerung zu schützen und den Staat als funktionsfähige Größe am Leben zu erhalten. Die Angestellten in den Krankenhäuser und Ambulanzen leisten Großartiges bis an die Grenzen der Erschöpfung. Die vielen Menschen, die in den Geschäften und in den Betrieben das öffentlichen Leben aufrecht erhalten, verdienen unseren Respekt.  

Und doch ist heute Sonntag. Der dritte Fastensonntag. Wir feiern anders als sonst. Wir treffen uns nicht in der Kirche zur gemeinsamen Feier. Wir können uns nicht über die Feier und den Empfang der Eucharistie in Gemeinschaft verbinden.

Und doch sind wir verbunden. Verbunden durch das Gebet mit Christus, verbunden als Schwestern und Brüder durch die Taufe.

Im heutigen Evangelium, der bekannten Erzählung der Frau am Jakobsbrunnen, zeigt sich, wie aus der Beziehung mit Christus Gemeinschaft aufgebaut werden kann. Die Frau kommt zunächst allein, ausgestoßen, in der größten Mittagshitze zum Brunnen. Sie ist nicht in der Gemeinschaft geduldet. Doch dann diese alles verwandelnde Begegnung.
Eine Begegnung, in der sie die Erfüllung ihrer Sehnsüchte erfährt. Eine Begegnung in der sie erkennen kann, was es bedeutet von Gott geliebt zu sein, von ihm angenommen und gewollt zu sein.

Es ist eine Begegnung in der sie ganz neue Hoffnung schöpfen kann. Eine Hoffnung, ein neuer Lebensmut der sie erfüllt, den sie beginnt hinauszurufen und zu erzählen. Und da bildet sich Gemeinschaft. Ausgehend von der Erfahrung, dass Christus als lebendiges Wasser wirklich ein Lebensquell ist.
Liebe Schwestern und Brüder. Wir haben die Beziehung zu diesem Lebensquell auch in unserer Taufe bekommen. Wir haben begonnen die Beziehung mit Christus zu leben. Er hat uns zugesagt, dass er treu ist und dass diese Beziehung hält, in aller Dunkelheit und Herausforderung.
Was kann uns scheiden von der Liebe Christi? Bedrängnis oder Not oder Verfolgung?

Diese theoretische Frage des Apostel Paulus dürfen wir auch in dieser unsicheren Zeit stellen. Auch wenn rundum so Vieles zusammenbricht. Auch wenn vermeintliche Sicherheiten wegbrechen und wenn so manche Verzweiflung und Ohnmacht sich verständlicher Weise breit machen, diese Zusage Jesu hält. Auch in dieser Herausforderung. Und wo wir dieser Zusicherung trauen, wo Christus und meine Beziehung zu ihm wirklich zum tragenden Grund in meinen Leben wird, dort beginnt sich dann auch die Gemeinschaft um ihn wieder aufzubauen. Eine Gemeinschaft der Hoffnung und der Zuversicht. Gerade in den dunklen Zeiten der Geschichte war dies die Stärke der Jünger Jesu: Hoffnung und Hilfe den Menschen in der Welt zu geben aus dem Bewußtsein heraus – ER ist mit uns, weil ER uns liebt.  AMEN

 

Gebet zum 3. Fastensonntag

Wer wird uns Wasser fließen lassen,

heilbringendes, heiligendes Wasser des Lebens?

Du, Herr, bist die Quelle des Lebens,

Dir ist unsere Not vertraut.

Du kennst mich und bist mir nahe.

Auch da wo ich nicht weiterweiß,

wo mich Sorgen niederdrücken bist Du da,

trägst Du mich und alle, die dich bitten:

Gib mir das lebendige Wasser,

Deinen Heiligen Geist,

der mich leben lässt,

der mich erfahren lässt,

dass ich mich auf Dich verlassen kann, mein Gott.

So bitte ich Dich heute für alle,

die mir nahe sind, um Deinen Schutz,

um Deine Kraft diese Prüfung zu bestehen,

um das Vertrauen, dass Du unsere Sehnsucht stillen wirst,

dass Du in uns lebendig bist

und uns teilhaben lässt an Deinem Leben,

dass wir als Gemeinschaft Deiner Brüder und Schwestern

in Dir miteinander verbunden sind,

uns nicht niederdrücken lassen müssen

von der Sorge um uns und unsere Lieben.

Ich bitte Dich auch für alle Kranken und Einsamen,

dass Du sie aufrichtest,

und für alle, die sich gerade jetzt

um das Wohlergehen der Menschen in unserem Land bemühen,

dass sie nicht müde werden in ihrem Dienst

sondern sich getragen wissen von der Sicherheit:

Du bist Der, Der für uns da ist und bleibt.

Dir, Herr Jesus, sei mit dem Vater und dem Heiligen Geist

Lob und Dank in Ewigkeit!

Amen.

F.D./15.3.2020