Hausbau in Srebrenica, BIH

Ein Hilfsprojekt - umgesetzt von einer Minigruppe, möglich gemacht durch die Organisation „Bauern Helfen Bauern“ und durch eure Unterstützung – Danke!

Mit etwas Glück sind Anselm Becker und ich letztes Jahr auf das Projekt „Hausbau in Srebrenica“, geleitet von der Salzburger Organisation Bauern helfen Bauern, gestoßen. Wir nahmen es als Anlass, als Abschluss unserer sechsjährigen Zeit gemeinsam mit unserer Minigruppe zu helfen.

Begeistert fingen wir mit der Organisation verschiedener Spendenaktionen an. Schnell merkten wir, dass uns die Strukturen, speziell in Ober St. Veit, sehr zum Vorteil wurden. So unterstützte uns einerseits die Pfarre Ober St. Veit mit dem Caritas-Ausschuss und dem Fastenessen, andererseits auch Vereine wie die Kaufleute OSV, JOSEV macht Theater, der Huatklub, Jugend OSV, K.Ö.H.V. Rugia, die Ober St. Veiter Bierstube, der Bücherladen von Lisi Gläser oder Privatpersonen wie Kathja Kogelbauer.

Am 20.08. war es nun endlich soweit. Das nötige Geld war gesammelt, unsere zwei 9-Mann Busse waren beladen und bis auf den letzten Platz besetzt. Mit diesem immensen Zuspruch und dem damit verbundenen Vertrauen der Eltern haben wir in dieser Größe wirklich nicht gerechnet. Umso riesiger waren natürlich Erwartungen und Vorfreude – die Reise nach Srebrenica nahm ihren Anfang. Über Budapest und Novi Sad erreicheten wir am Abend den serbisch-bosnischen Grenzübergang. Die lebhafte Stimmung in meinem „Männerbus“, es wurde gesungen, gejubelt und gefeiert, Ansi war im „Damenbus“, wurde nun ruhiger. Als wir kurz darauf durch Portocari fuhren, das Memorial Center erkannten, zerbombte, zerschossene und nicht wieder aufgebaute Häuser wahrnahmen, überschlugen sich unsere Emotionen. Wir kehrten später an diesen Ort der unfassbaren Traurigkeit im Rahmen einer Führung zurück und bekamen einen Einblick in die Geschichte des Landes, der so aus Schulbüchern nicht zu entnehmen ist. Doch schon die herzhafte Begrüßung von Arthur, der uns in unserer Unterkunft willkommen hieß und die aufmunternden Worte unserers reizenden Betreuers Namir, brachten uns auf andere Gedanken.

So starteten wir am nächsten Tag Richtung Baustelle. Nach einer guten Stunde über Berg und Tal, durch Steinbrüche und über unbefestigte Straßen, waren Anselm und ich erleichtert, als Namir uns mitteilte, die Autos abzustellen und den restlichen Weg zur Baustelle zu Fuß anzutreten. Wir sind froh, die Woche ohne Reifenwechseln und ohne gröbere Schäden hinter uns gebracht zu haben – wir konnten uns bis dato wirklich nicht vorstellen, was Autos alles aushalten! Ich habe, auf der Baustelle angekommen, noch nie so eine unfassbare Motivation, ausgegangen speziell von den Kids, gesehen. Nachdem wir uns bei einer Tasse Kaffee vorgestellt haben, die zwei Familien kennenlernten, ein bisschen ins Plaudern gekommen sind, wollte jeder sofort anpacken, hämmern und bauen – großartig! Ein Zeitplan wurde erstellt, die Aufgabenbereiche verteilt und Arbeiten wurden zugewiesen. Durch die relativ unkomplizierte Aufbauweise und die zahlreichen helfenden Hände gelang es uns auch, fast zum Erstaunen von Namir, beide Häuser innerhalb einer Woche fertig zu stellen. Für das ein oder andere Päuschen war natürlich auch Zeit und da der anfängliche Enthusiasmus der jungen Generation von der doch harten Arbeit eingeholt wurde, waren diese gegen Ende immer willkommener. Wichtig war uns, dass ausschließlich lokale Ressourcen genutzt werden, die Kinder und wir gemeinsam mit den zukünftigen Hausbewohnern anpacken können und ein interkultureller Austausch entsteht. Die Kids schwangen das Werkzeug speziell im Innenausbau und der Dachdeckung, bei Zweiterem kamen Ansi und ich hin und wieder ins Schwitzen.

Der zwischenmenschliche Austausch ist durch das gemeinsame Arbeiten sowie durch das Zusammensitzen in den Pausen von alleine zustande gekommen - wunderbar! Warmherzigkeit, Selbstlosigkeit und Offenheit bei Gesprächen oder beim Fussballspielen mit den zwei Burschen der zweiten Familie und speziell bei der symbolischen Schlüssel- übergabe, wo man jedermann nur in die Augen schauen musste und ein warmes Gefühl der Dankbarkeit zu spüren bekam. Es war eine unglaubliche Woche, ein „Wahnsinnsabschluss“ unserer Minizeit!

Ich hoffe, dieses Gefühl der Nächstenliebe hält an, denn es ist ein gutes – Danke!

 

Matthias Steinmayr