Verabschiedung Pfarrer DI Dr. Andreas Kaiser


Pfarrer Andreas Kaiser

Rückblick in Freude und Dankbarkeit

Liebe Pfarrgemeinde von Ober St. Veit, liebe Freunde und Mitglieder der Pfarrgemeinde!

Kürzlich meinte jemand: Dreizehn Jahre im dreizehnten Bezirk, das ist doch eh sehr stimmig. Man kann und darf in allem ein wenig auch den Humor Gottes sehen.
2009 durfte ich als Moderator beginnen, meinen Dienst als Priester in dieser und für diese Pfarre zu leisten. Und obwohl ich in meiner Lebensplanung mir schon einmal einen Wechsel vorgestellt habe, ist der Ruf, ab 1. September 2022 den Pfarrverband mit den Pfarren Stockerau, Hausleiten, Leitzersdorf, Niederhollabrunn und Haselbach zu leiten, nun doch recht überraschend Ende Mai gekommen.
Ungefähr ab dem Jahr 1260 ist Ober St. Veit eine Pfarre, lange vor der Gründung des Bistums von Wien, und in die Liste der hier lebenden und arbeitenden Pfarrer, die leider nicht ganz erhalten ist, darf ich mich nun auch einreihen.
Ich weiß noch, als ich 2009 das Pfarrerbüro betreten habe und neugierig den ersten Kasten geöff net habe, da ist mir gleich ein Kuvert entgegen gefallen mit der Aufschrift: „Begräbniskosten Pfarrer Kaiser“. Nach dem ersten Schock war schnell klar, dass es sich um die Rechnungen des Begräbnisses eines meiner Vorgänger, nämlich von Pfarrer Karl Kaiser (gest. 1944), handelt.
Dieses kleine Erlebnis des „memento mori“ am Beginn meiner Tätigkeit war schon ein kleiner Hinweis, dass eben nichts auf dieser Welt ewig währt und ein übertriebenes Festhalten an den sogenannten zeitlichen Gütern ziemlich all dem, was uns Christus in Bezug auf das ewige Leben und das Himmelreich zugesagt hat widerspricht. Erst dort wo das Vertrauen in SEINEN Weg und in SEINE Führung vorhanden ist, gelingt es den Blick von den zeitlichen Gütern, bei aller Notwendigkeit mit diesen zu wirtschaften, weg zu lenken auf jene Schätze, die sich im Himmelreich anhäufen (vgl. Mt 6, 19-21)
Diesen ersten Wink in der Pfarre habe ich auch ein wenig so verstanden, dass es auch für einen Pfarrer immer diese Off enheit und Verfügbarkeit für Christus braucht, was auch mitunter einen schweren Abschied bedeuten kann. Um so mehr blicke ich voller Freude und Dankbarkeit auf diese 13 Jahre zurück. In den vielen Briefen, die Mitglieder der Pfarre mir zum Abschied geschrieben haben, kommen sehr viele schöne Erfahrungen und Begegnungen zu Tage, wo wir gemeinsam, der Pfarrer und die Gemeinde, ein Stück weit Reich Gottes füreinander und für andere erfahrbar machen konnten. Wo ein Stück weit Schätze im Himmel gesammelt wurden.
Das war sichtbar bei der Feier der Sakramente, wie bei Taufen, Trauungen, Erstkommunionen und so weiter. Das war aber auch spürbar beim Begleiten in schweren Stunden, bei Beerdigungen, bei Krankensalbungen und Gesprächen Angesichts von Fragen in scheinbar unlösbaren Situationen.
Ich war und bin immer noch sehr stolz auf eine großartige Jungschar-, Ministranten- und Jugendarbeit hier in der Pfarre. Dieses Engagement der jungen Erwachsenen, um Gemeinschaft rund um Jesu sichtbar und für Kinder erfahrbar werden zu lassen, ist wirklich großartig.
Mein Dank gilt allen, die sich mit ihren Talenten und Fähigkeiten in die Pfarre einbringen. Dadurch wird Pfarre sichtbar und wird für das Dorf in der Stadt nicht nur die Kirche ein geografi sches Zentrum, sondern die spürbar lebendige Gemeinde bildet ein seelisches Zentrum von Ober St. Veit.
Nicht zuletzt durch die vielen, die in dieser Kirche jahraus und -ein zum Gebet einkehren, die ein Kerzerl anzünden und ein schnelles oder auch manchmal langes Gebet zu Gott senden, zeigt sich das seelische Zentrum. Wie viele schöne Begegnungen und Gespräche durfte ich im wahrsten Sinn des Wortes zwischen Tür und Angel an der Kirchentüre führen und erleben.
Eine lebendige Pfarre hat ein ausgewogenes Verhältnis der sogenannten Grundvollzüge von Kirche. Also von Gottesdienst, Nächstenliebe und Verkündigung. In allen drei zeigt sich der vierte Grundvollzug, die Gemeinschaft untereinander und die Gemeinschaft mit Gott.
Es würde zu weit führen, alle Momente aufzuzählen, die in Ober St. Veit vorhanden sind, es sind sehr viele. Im Bereich der Nächstenliebe möchte ich für die drei Großprojekte danken, die entstanden sind und Hilfe geben konnten – neben den vielen Projekten und Unterstützungen, die in der Pfarre vorhanden sind für viele Notleidende. Die Flüchtlingshilfe ab 2015, den Aufbau einer Pfarrpartnerschaft mit der irakischen Pfarre in Enishke und nun auch die Hilfe für die Menschen aus der Ukraine. Die Großzügigkeit und die Professionalität der Hilfe sind weit über die Grenzen der Pfarre bekannt geworden.
Gottesdienst feiern, das kann Ober St. Veit. Und es war mir eine Freude, die Schönheit und Vielfältigkeit der Feiern mitfeiern und mitgestalten zu können. Seien es die Messen mit den Jungscharkindern am Donnerstag oder am Ferienlager, die vielfältigen Familien- und Kindergottesdienste, nicht nur am Sonntag, sondern auch an den speziellen Feiern wie Nikolo oder St. Martin mit Umzug und Musik durch das Dorf in der Stadt. Die durch Chor und Orchester akzentuierten Feiern zu Weihnachten und Ostern haben auch viele Menschen außerhalb Ober St. Veits angezogen. Diese Vielfältigkeit nicht als Konkurrenz sondern als ein gewolltes Miteinander zu sehen und mit gegenseitigem Respekt zu erleben, ist wichtig für eine gute und lebendige Gemeinde. Die Verkündigung geschieht vielfältig, sie wird durch die Vorbereitung der Sakramente und der Begegnungen und Runden in den Gruppen, durch Vorträge und Kurse, aber auch einfach gelebtes Lebenszeugnis vorangebracht.
Leitung der Pfarre bedeutet aber nicht nur geistige Leitung, sondern auch ganz handfeste Verantwortung in sehr profanen Dingen. Dank vieler Mithelfer und Engagierter ist diese Last auf viele Schultern verteilt. So konnten in den letzten 13 Jahren die Außenrenovierung des Pfarrhofes und der barrierefreie Zugang zu Pfarrhof und Kirche realisiert werden, neben vielen kleinen laufend notwendigen Instandsetzungsarbeiten.
Das große Projekt „Pfarrsaal neu“ ist schon recht gut vorangekommen, braucht aber noch ein paar „Schubser“ bis es realisiert werden kann. Es wäre wirklich mein großer Wunsch, die Umsetzung erleben und dann in zwei Jahren die feierliche Einweihung des neuen Pfarrsaals mit euch feiern zu können. Aber wie gesagt, der Mensch denkt und Gott lenkt,….
Ich danke nochmals allen, die mich hauptamtlich und ehrenamtlich in den letzten 13 Jahren unterstützt haben. Ich danke für die vielen Beziehungen, die entstanden sind und die, wie schon oft erwähnt, auch über die Donau halten werden. Ich wünsche der Pfarre Ober St.Veit weiterhin ein „vivat, crescat et fl oreat“, so wie sie es seit ihren Anfängen, also mutmaßlich seit etwa 762 Jahren, dank ihrer Pfarrkinder tut. Und da Ober St. Veit ja nicht nur ein geografi scher Begriff ist, sondern auch ein Lebensgefühl, werde ich auch jenseits der Donau singen: „I hab‘ halt a Faible für Ober St. Veit“!

Euer Pfarrer Andreas Kaiser

 „ ... es hat mich sehr gefreut!“

Welch ein Tag: Abschied von Pfarrer Andreas Kaiser und Vitusfest

Wenn es so etwas wie „Kaiserwetter“ gibt, dann erlebte es Ober St. Veit am 26. Juni 2022. Strahlend blauer Himmel, kein Wölkchen verdeckte die Sonne, die auf unzählige Menschen herunterschien, die zur 10-Uhr-Messe in die Pfarrkirche strömten, zum Teil aber nur noch außerhalb Platz fanden. Doch mit dem Smart-Phone ließ sich der Gottesdienst – wie immer am Sonntagvormittag – auch online verfolgen. Über die Pfarr-Homepage fi ndet man jetzt noch den Link, der zur Videoaufzeichnung des Gottesdienstes führt und die großartige Stimmung in der Kirche wiedergibt.
Die Gemeinde feierte den Abschied von Pfarrer Andreas Kaiser, kombiniert mit dem auf diesen Tag verschobenen traditionellen Vitusfest. Mit dem Lied „Rückenwind“ zogen 41 Ministranten, Pfarrer Kaiser, Altpfarrer Paul Fetzer und Diakon Walter Kirchmayer zum Altar.
Dank der raschen Regelung der Nachfolge, ganz im Sinn des Pfarrers, wirkte die Stimmung sehr gelöst, aber natürlich gepaart mit einer gewissen Wehmut.
Man staunte, wie gut das Evangelium vom Tag (es wurde kein anderes ausgewählt!) zum Anlass passte: Wer die Hand an den Pfl ug gelegt hat, soll nicht zurückschauen, sagt Christus. In diesem Sinn ist es völlig verständlich, dass ein Priester dorthin geht, wo er gerade dringender gebraucht wird als an dem Ort, wo er schon vieles bewirken konnte.
(Übrigens passte auch das Evangelium vom Sonntag darauf perfekt zur Nachprimiz von Thorsten Rabel – es ging darin um die Aussendung der Jünger.) Pfarrer Kaiser appellierte am Ende seiner Predigt, Christus immer in die Mitte zu stellen, dann könne die Pfarre leuchten und jene Hoff nung ausstrahlen, die Leben bringt.
Nach der Kommunion und dem „Großer Gott, wir loben Dich“ dankte Karin Aust, die stellvertretende Vorsitzende des Pfarrgemeinderats, im Namen der Gemeinde Pfarrer Kaiser für seinen Dienst und gab ihm drei Geschenke mit: eine Großpackung Samen, da er schon in Ober St. Veit viel Fruchtbringendes initiiert hat, eine Kopie des Altarbildes „Maria, Zufl ucht der Sünder“ (das selbst eine Kopie eines Bildes aus Neapel ist) und ein Segensgebet, das die ganze Gemeinde für Andreas Kaiser sprach.
„Tritt fest auf, mach’s Maul auf, hör bald auf“ – dieses Luther-Wort als Leitfaden seiner Predigten zitierte Kaiser schon 2009 beim Amtsantritt und nun auch zum Abschied. Er dankte, mitunter mit der Rührung kämpfend, der ganzen Gemeinde für die positiven Erfahrungen, drei Frauen besonders hervorhebend: Karin Aust, Pfarrsekretärin Andrea Stejskal und Friederike Dostal, die langjährige Pastoralassistentin.
Mit dem Schlusssegen und einem Marienlied endete die Messe. Dann durfte die ganze Gemeinde die vor drei Jahren umgedichtete, nun nochmals ergänzte „Kaiserhymne“ für Andreas Kaiser anstimmen. Seine passende Reaktion: „Es war sehr schön, es hat mich sehr gefreut.“ Das galt wohl neben der Hymne seiner gesamten Zeit in Ober St. Veit. Inzwischen hatten fleißige Hände im Vitushaus, Pfarrsaal und Pfarrgarten alles für das von Werner Marek in bewährter Weise organisierte Vitusfest vorbereitet. Unterwegs wurde das „VitusBlatt“ mit der Schlagzeile „Alles ist Kaiser!“ angeboten. Im Pfarrgarten durfte man bei reichlich Speis und Trank erleben, wie Bezirksvorsteherin Silke Kobald dem Pfarrer einen Ehrenbecher überreichte, die Pfadfi ndergruppe 39 ein Ehrenhalstuch und die Theatergruppe JOSEV einen Orden.
Der PGR überreichte eine „Schatzkiste“ mit gesammeltem Geld und einen Ordner mit unzähligen Dankschreiben an den über die Donau ziehenden Pfarrer. Auch 13 Jungschar- und Ministrantenführer dankten Andreas Kaiser, und die von Florian Kalny geleitete ChorWG sang ihre Chorhymne. Welch ein Tag war das – von diesem Fest werden die Ober St. Veiter noch lange reden!

Heiner Boberski


Herzliche Einladung zur

Verabschiedung von
Pfarrer DI Dr. Andreas Kaiser

am Vitusfest

Sonntag,
26. Juni 2022

Festmesse
um 10:00 Uhr

anschließend
Pfarrfest
im Pfarrgarten

Brief von Pfarrer Andreas Kaiser mit Einladung, Verabschiedung und Gebet als pdf

 Liebe Freunde und Mitglieder der Pfarre Ober St. Veit,

vor nun genau 13 Jahren wurde ich von unserem Erzbischof Kardinal Dr. Christoph Schönborn zum Pfarrmoderator der Pfarre Ober St. Veit bestellt. Nach meiner Kaplanstätigkeit im Retzerland war dies eine neue und schöne Aufgabe, die ich gerne übernommen habe. Vieles konnten wir gemeinsam erreichen, und es ist schön mitzuerleben, mit welchem hohen Engagement und Eifer hier das Pfarrleben sich entwickelt. Viele sind es, die ihre Talente und ihre Zeit einsetzen, und so konnten wir ein Stück weit die Pfarre zu einer Heimat für viele Menschen gestalten, in der sie nach Gott suchen und ihn auch immer wieder erfahren können.

In einem persönlichen Telefonat mit dem Herrn Erzbischof wurde ich kürzlich informiert, dass ich eine neue Aufgabe übernehmen soll. In der Pfarre Stockerau und den weiteren vier Pfarren des Pfarrverbandes hat der Pfarrer überraschend auf die Pfarren resigniert. Der Herr Erzbischof ist der Meinung, dass meine Fähigkeiten und Talente in dieser Situation dort gut eingesetzt wären, und möchte, dass ich diesen Pfarrverband mit 1. September 2022 übernehme. Bei meiner Priesterweihe habe ich versprochen, dem Erzbischof Ehrfurcht und Gehorsam zu leisten. Für mich ist dies auch ein Versprechen, das ich bereit bin einzuhalten, auch wenn der Abschied von Ober St. Veit mehr als schwer fällt.

Liebe Pfarrgemeinde, ich weiß zurzeit noch nicht, wer hier nachfolgen wird. Ich weiß aber eines - und da glaube ich mich in den letzten 13 Jahren nicht getäuscht zu haben -, dass in Ober St. Veit eine lebendige Gemeinde da ist. Eine, die es gewohnt ist, zu feiern und zu beten, und die auch bewiesen hat, Krisen zu meistern. Gerade in den letzten beiden Jahren, in denen viele Gemeinden stark an den Auswirkungen der Pandemiebeschränkungen gelitten haben, hat sich in Ober St. Veit gezeigt, dass eine Einschränkung auch eine Herausforderung ist, die angenommen und gemeinsam gemeistert werden kann. Gottesdienstübertragungen haben wir in hoher Qualität ermöglichen können, die Kontakte zwischen den Gruppen und innerhalb der Jungschar und Ministranten wurden über zwei Jahre kreativ gestaltet. Und alle können es sehen: Die Pfarre lebt.

Nun ist eine neue Herausforderung da und ich bin sicher, die Pfarrgemeinde wird diese ebenso gut bewältigen. Ich bitte alle inständig und von ganzem Herzen, nicht aus einer verständlichen Enttäuschung mutlos zu resignieren, sondern sich weiterhin tatkräftig für diese Pfarrgemeinde und so auch für das Reich Gottes einzusetzen und die vielen Projekte und Aktivitäten in gewohnter Ober St. Veiter Qualität weiterzuführen.

Ich bin auch sehr zuversichtlich, dass es wieder einen neuen Pfarrer geben wird, der gemeinsam mit der Gemeinde den Weg weiter gehen wird. Gemeinsam für eine gute Lösung zu beten ist sicher ein geeigneter Anfang dieses Weges.

Ich danke allen für ihr Vertrauen, für die Offenheit und die wirklich gute und vielfältige Zusammenarbeit.

Es war mir eine Freude, ein Teil dieser Pfarre zu sein. So wird Ober St. Veit immer auch ein Stück Heimat für mich sein.

Gottes reicher Segen und die Kraft und Freude des Heiligen Geistes begleite euch alle.

Euer Pfarrer Andreas Kaiser